Knapp zwei Monate vor Beginn der neuen Saison in der Ringer-Bundesliga stehen die Zeichen auf Einigung zwischen der DRL und dem DRB gleich null. Beide Seiten schieben sich den Schwarzen Peter zu. Jüngst hat der Bundesliga-Ausschuss des Deutschen Ringer-Bundes empfohlen, dass der DRB-Vorstand die Gespräche mit der DRL abbrechen solle. Dabei sah es im September 2017 gar nicht mal so schlecht aus, als sich beide Parteien zusammen mit Schlichter Ulf Jäkel aus Kaufbeuren gemeinsam an einem Tisch hockten, um eine Einigung herbeizuführen. Ringsport-Magazin hat sich mit ihm unterhalten.

Herr Jäkel, Sie standen ja schon einmal als Schlichter zur Verfügung. Wie verlief das Prozedere?

Jäkel: Ich wurde damals von der DRL gefragt, ob ich zu einem Schlichtungsgespräch mit dem DRB in Bad Mergentheim im September 2017 bereit wäre, um die Positionen von beiden Partnern abzuklären und einzuschätzen. Ich sollte meine Erfahrungen aus den Organisationen von Sportverbänden hier einbringen, und versuchen mit den beiden Parteien zu reden, ob es die Möglichkeit einer Zusammenarbeit, einer Einigung, ja einer Kooperation bis zu einem gemeinsames Konzept gibt. Das Gespräch verlief aus meiner Sicht gut. Ich habe den Beteiligten meine Ansichten und besonders die Vorteile nähergebracht, warum man den Profibereich aus einem gemeinnützigen Teil eines Verbandes oder Vereins ausgliedert – beides geht ja. Der Profi-Ringerbetrieb kann somit eigens organisiert werden, auch finanziell. Gleichzeitig muss die DRL, der Profiverband den Nachwuchs des DRB fördern, Beiträge müssen bezahlt werden, damit der geregelte Nachwuchsbetrieb auch finanziert werden kann.

Sind sich denn beide Parteien etwas näher gekommen?

Jäkel: Aus meiner Sicht gab es schon in einigen Punkten einen Konsens. Der DRB hat aber verlangt, dass ein Konzept oder Vertragsentwurf erstellt werden soll, wie sich die DRL das vorstellt, wo auch die Grenzen des Machbaren aufgezeigt werden. Ein Konzept lag bereits vor, der mit Einzelheiten und weiteren Details des Protokolls ergänzt wurde. Dr. Wozniak (Anm. d. Red.: Vizepräsident DRB für Verbandsentwicklung) wollte mit mir besprechen, inwieweit er noch Schnittstellen sieht. Der Kontakt ist nicht mehr zustande gekommen, er hat sich bei mir nicht gemeldet. Ich habe aus meiner Sicht keine Veranlassung gesehen, mich bei ihm zu melden. Ich dachte eigentlich, dass der DRB dazu Stellung bezieht, doch seit September 2017 habe ich nichts mehr vom DRB gehört.

Was würden Sie beiden Parteien jetzt empfehlen?

Jäkel: Ich glaube wohl, dass die Schmerzen noch nicht so groß sind. Damals im Eishockey war es anders, da musste man aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse etwas vorantreiben. Das scheint hier offensichtlich noch nicht der Fall zu sein, was ich schade finde. Ich glaube, dass der Profibereich ohne den gemeinnützigen Bereich oder Amateurbereich viel besser vermarktet werden kann bzw. hier auch andere Verträge geschlossen werden können. Nur so kann man den Ringersport auch ganz anders darstellen. Wie viele wissen, sollte der Ringersport aus Olympia schon einmal verbannt werden. Der Ringkampfsport wird öffentlich nicht richtig wahrgenommen. Eine Profiliga könnte mit einem anderen Kapital und Sponsoren, die an einer Vermarktung interessiert sind, nur Vorteile bringen. Nutznießer wäre hier der Deutsche Ringer-Bund und der Amateurbereich. Hier können beide Parteien doch dazugewinnen.

Der DRB ziert sich, sieht wohl überhaupt keinen Bedarf mehr an einem Gespräch.

Jäkel: Aber, was ich in Erinnerung habe, war der DRB ja nicht ganz abgeneigt. Er war an einer grundsätzlichen Einigung bereit, stand hier offen gegenüber. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen aber stimmen. Was jetzt läuft, kann ich nicht abschätzen, da ich nicht mehr involviert bin. Das Gericht meinte damals nur, die DRL und der DRB sollten sich außergerichtlich einigen, das wäre vernünftiger auch für den Sport. Ich kenne keinen Sportverband in Deutschland, der nicht ein ähnliches Konzept verfolgt. Die Auslagerung des Profibetriebes ist zeitgemäß. Wenn alle Beteiligten das Beste für den Ringkampfsport wollen, müssen sie sich einigen, und das so schnell wie möglich.

Interview: Stefan Günter