Am Wochenende wird es ernst, wenn es bei der Bundesligatagung um die Strukturfragen beim Deutschen Ringer- Bund geht. So tagte bereits am vergangenen Wochenende der Bundesligaausschuss, der eine Vielzahl von Vorschlägen diskutierte, allen voran die Rückkehr zu einer zweistufigen Bundesliga. „15 Vereine votierten nach einer Umfrage für die Wiedereinführung der 2. Bundesliga, davon würden 4 Vereine künftig in einer 1. Bundesliga und 11 Vereine in der 2. Bundesliga kämpfen, während 8 der derzeitig 23 DRB-Bundesligavereine die derzeitige Struktur mit drei Vorrundenstaffeln beibehalten möchten“, so der DRB-Vizepräsident für Bundesligaangelegenheiten Ralf Diener.

Derzeit kämpfen 23 Teams in drei Vorrundengruppen um den Einzug ins Viertelfinale, an dem die beiden Staffelersten, sowie zwei der drei Drittplatzierten teilnehmen. Da die Staffel Südost nur mit 7 Teams an den Start ging und zwangsläufig weniger Kämpfe- und damit auch weniger Punkte erzielt, werden die beiden Drittplatzierten in diesem Jahr nicht nach Anzahl der erzielten Punkte, sondern durch Losentscheid ermittelt.

Das Problem der derzeitigen Struktur ist nicht nur der rießige Leistungsunterschied innerhalb der drei Vorrundenstaffeln, sondern auch dass der Sprung von den Regional- und Verbandsligen in die höchste Kampfklasse für viele Vereine viel zu groß-, finanziell und personell gar nicht zu stemmen ist.  So setzten vor allem in Nordrheinwestfalen – wie schon im Vorjahr regelrechte ‘Abwehrkämpfe’ ein, um nicht aufsteigen zu müssen. Die geforderte, generelle Abschaffung der Aufstiegspflicht wäre kein Mittel, um die Probleme der derzeitigen Struktur einzudämmen, im Gegenteil.

„Ausgehend von diesem Mehrheitenwunsch und den unüberhörbaren Wünschen aus einigen Landesverbänden zu einer Veränderung der Ligenstruktur ist der Bundesligaausschuss zu dem Entschluss gekommen, dass sich die vielfach eingeforderte Verkleinerung der Leistungsunterschiede am ehesten durch die Einführung einer zusätzlichen Leistungsebene (2.Bundesliga) erreichen lässt“, so das Fazit von Ralf Diener nach der Sitzung im Bundesligaausschuss. Eine 2. Bundesliga soll kommen, nur steht am kommenden Wochenende, bei der Bundesligatagung aller DRB-Bundesligavereine in Würzburg die Frage: ‘wann soll sie den kommen, die 2. Bundesliga’.

Um schon im kommenden Jahr mit 1.- und 2. Bundesliga antreten zu können, müssen nun die 8 Vereine, die für die Beibehaltung der derzeitigen Struktur gestimmt haben, ihre eigenen Präferenzen zurückstellen und sich dem Mehrheitswunsch anschließen. Unter diesen Vereinen ist zum Beispiel auch der Titelverteidiger SV Wacker Burghausen, der mit Etat und Kader in einer eingleisigen 1. Bundesliga kaum Probleme haben sollte. „Sollten die 8 Vereine auf ihrer Meinung beharren, dann kann eine 2. Bundesliga erst ab der übernächsten Saison 2020/2021 eingeführt werden, da sonst eine Umstrukturierung in der kommenden Meisterschaftsrunde aus rechtlichen Gründen nicht machbar ist“, so Ralf Diener mit dem Wunsch an die Bundesligavereine, etwas über das eigene Ortsausgangsschild hinaus-, oder über den Tellerrand hinweg zu sehen. Allein der Vorschlag des DRB-Vorstandes, die 8 Endrundenteilnehmer diesen Jahres- also die besten Teams der DRB-Bundesliga in einer eingleisigen 1. Bundesliga zusammen zu führen, wäre nicht nur eine Überlegung wert.

„Wir sind hier auf die Mithilfe der Vereine angewießen“, so DRB-Vizepräsident Sport, Günter Maienschein der an die Vereine appelliert selbst in die Verantwortung zu gehen und diese nicht (wie so oft) dem DRB-Vorstand zuzuschieben, dessen Ziel es ist, wieder eine starke 1. Bundesliga, mit spannenden Begegnungen, gleichstarker Mannschaften aufzubauen, darunter einen Unterbau, aus dem auch Mannschaften finanziell und personell die Kraft haben aufzusteigen- und vor allem aufsteigen zu wollen. Ein 0:28 wie zwischen Adelhausen und Freiburg – zu vergleichen mit einem 7:0 der Borussia aus Dortmund gegen Nürnberg im Fußball, will doch am Ende niemand wirklich sehen…

Regional gesehen ist es auch der Wunsch der hießigen Spitzenvereine aus der Regionalliga Mitteldeutschland, erneut eine 2. Bundesliga einzuführen. „Die DRB-Bundesliga ist für uns nicht machbar, der Aufstieg in eine 2. Bundesliga wäre hingegen ein Ziel“, so der Vorsitzende des Tabellenführers AV Germania Markneukirchen Jens Berndt. Eine Meinung, die auch der RV Thalheim teilt, der sich gemeinsam mit den Vogtländern ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Tabellenspitze lieferte und den Rest der Regionalligastaffel weit hinter sich ließ.
Abwehrkämpfe, um nicht aufsteigen zu müssen gibt es im Zweckverband Mitteldeutschland nicht, seit in der Wettkampfordnung ein Aufstiegsrecht-, aber keine Aufstiegspflicht festgeschrieben wurde. Dem DRB ist diese Regelung ein Dorn im Auge, der gerne eine einheitliche Regelung hätte.

Doch das ist derzeit nur ein ‘Nebenkriegsschauplatz’, vielmehr geht es darum, am kommenden Wochenende, gemeinsam mit den Vertretern der Bundesligamannschaften eine einheitliche Linie und eine Struktur zu schaffen, mit der alle leben können. Mit einer 2. Bundesliga sollte die Frage nach dem ‘aufsteigen wollen’, auch nicht mehr relevant sein.

Bild: Ringkampf, attraktiv mit solchen Würfen und Aktionen allemal, doch in der Ligenstruktur sollen nun Veränderungen her, um auch bei den Mannschaftsvergleichen wieder Spannung und Attraktivität zu schaffen. Am Wochenende werden bei der Bundesligatagung wichtige Punkte dazu erörtert und die Einführung einer 2. Bundesliga schon ab dem kommenden Jahr beraten. Foto: Jörg Richter