Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stand Maria Selmaier (72 kg/KSC Apolda) in Rom/Ostia auf dem Siegerpodium, gerade hatte die Ringerin aus Thüringen ihre erste internationale Meisterschaftsmedaille im Frauenbereich erkämpft – zugleich wird es die Letzte sein. Denn die 29-Jährige beendet nach dieser Saison ihre leistungssportliche Laufbahn.

Diese Laufbahn war lang: „Mit vier Jahren bin ich mit meinem älteren Bruder Stephan zum Ringertraining gegangen und es hat mir großen Spaß gemacht“, erzählt Maria Selmaier von ihren ersten Schritten auf die Ringermatte, damals noch beim PSV Magdeburg bei Trainer Jörg Schrader. Da es in Magdeburg keinen Leistungsstützpunkt für Ringerinnen gab, zog es Maria Selmaier als erfolgreiche Jugendringerin 2004 nach Jena, wo sie fortan von Ex-Weltmeister Hartmut Reich trainiert wurde. Bereits 2007 betrat sie die internationale Bühne und trat damit zugleich in die Fußstapfen von Maria Müller, die ebenfalls in Jena trainierte und 2006 WM-Bronze in Guangzhou (China) gewann. Mit einem fünften Platz bei den Kadettinnen startete Maria Selmaier ihre internationale Laufbahn, bereits ein Jahr später war es schon EM-Bronze bei den Kadettinnen in Daugavpils (Lettland). Ihren größten Erfolg feierte Maria Selmaier bis dato bei den Europameisterschaften der Juniorinnen 2010 in Samokov (Bulgarien), schaffte sechs Jahre später auch die Qualifikation zu den Olympischen Spielen in Rio, wo die Sportpolizistin den 18. Rang belegte.
Im Frauenbereich wurde es schwer für Maria Selmaier, die den Anschluss an die Weltspitze in verschiedenen Gewichtsklassen suchte. Erst zum Abschluss ihrer sportlichen Laufbahn, bei den eben zu Ende gegangenen Europameisterschaften in Rom, stand sie erst- und wohl auch letztmalig auf dem Siegerpodium, mit einer Silbermedaille um den Hals.

„Diesen Erfolg hab ich ihr von Herzen gegönnt“, gratuliert Frauen-Bundestrainer Patrick Loes, der weiß, wie hart die hübsche Athletin trainiert, immer wieder den Anschluss suchte, durch Verletzungen zurückgeworfen wurde, sich aber nie aufgab.  Maria Selmaier blickt nunmehr auf ihre berufliche Karriere bei der Thüringer Polizei. „2015 habe ich meine Ausbildung abgeschlossen und konnte mich seither auf den Sport konzentrieren“, nimmt sie nun ein Studium auf, will bei der Kriminalpolizei in den gehobenen Dienst. Am Ringer-Stützpunkt in Jena, aber auch beim KSV Apolda, zu dem sie im Endspurt ihrer sportlichen Karriere wechselte, will sie sich weiter fit halten, jungen Ringerinnen wie Anne Nürnberger, die sich anschickt in ihre Fußstapfen zu treten, mit ihren Erfahrungen weiterhelfen.

Auch Rom wird Maria Selmaier in guter Erinnerung behalten, gewann sie doch im Januar dieses Jahres in der Ewigen Stadt das Ranglistenturnier des Weltverbandes United World Wrestling (UWW) und nur einen Monat später an gleicher Stelle EM-Silber. Das Beste eben zum Schluss. Oder anders: Wenns am Schönsten ist, soll man eben aufhören.

Foto: Jörg Richter