Eine Woche der Wahrheit steht der deutschen Ringerelite unmittelbar bevor. Am kommenden Montag fällt der Startschuss zu den Europameisterschaften der Männer im griechisch-römischen Stil und im freien Ringkampf, sowie der Frauen, die in Bukarest (ROU) ausgetragen werden.
Im vorolympischen Jahr sind die kontinentalen Titelkämpfe nicht nur eine, der jährlichen Herausforderungen auf kontinentaler Ebene, sondern eine wichtige Standortbestimmung vor den Weltmeisterschaften, bei denen im September in Astana (KAZ) zugleich die ersten Olympiatickets für Tokio 2020 vergeben werden.

Nach mehreren Leistungstests und Ergebnissen aus internationalen Wettkämpfen, nominierten die Bundestrainer Michael Carl (griechisch-römischer Stil), Jürgen Scheibe (Freistil) und Patrick Loes (Frauen) mit ihren Trainerteams die Auswahlmannschaften für die Europameisterschaften. Schon jetzt wird deutlich, dass auch die führenden Nationen wie Russland, Georgien oder Aserbaidschan ihre besten Athleten in die rumänische Hauptstadt entsenden. Damit wird es in Bukarest bereits ein erstes ‚Schaulaufen‘ von Olympiasiegern und Weltmeistern geben, die vor allem in den olympischen Gewichtsklassen ihr Können testen. Nicht zuletzt geht es auch um die Qualifikation für die European Games in Minsk (BLR), für die besten 14 Ringer in den olympischen Gewichtsklassen.

„Große Teile der Weltspitze sind hier in Europa versammelt, damit wird es sehr schwer, in die Medaillenränge vorzustoßen. Dennoch halten wir am Ziel fest, wollen eine Medaille erkämpfen“, so Michael Carl, der mit seinen Athleten auch 2019 die Serie nicht reisen lassen möchte, die den Griechisch-Römisch-Spezialisten seit 2015 bei jeder Europameisterschaft Medaillenglanz bescherte. Im Vorjahr war es Denis Kudla (86 kg/SV ALEMANNIA NACKENHEIM), der im russischen Kaspiisk, sozusagen in der Höhle des Löwen, Bronze erkämpfte.
Auch die Freistilringer bejubelten 2018 in Kaspiisk eine Medaille, Routinier Martin Obst (74 kg/1. Luckenwalder SC) kämpfte sich ins Finale und wurde am Ende Vize-Europameister. Bundestrainer Jürgen Scheibe setzt auf eine junge Mannschaft, die vom reaktivierten Schwergewichtler Nick Matuhin (siehe Bild, Jörg Richter; 125 kg/1. Luckenwalder SC) angeführt wird, der unter dem neuen Stützpunkttrainer Aleksandr Sommer bereits im Herbst 2018 sein internationales ‚Comeback‘ wagte.

Die deutschen Frauen blieben bei den Europameisterschaften des Vorjahres, erstmals seit 2014 ohne Medaille, treten jedoch in diesem Jahr mit einem starken Team an, Patrick Loes schickt nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Ellen Riesterer (53 kg/SV Freiburg-Haslach) acht Ringerinnen in Bukarest auf die Matten. Die deutschen Damen wollen ebenfalls schon einmal Maß nehmen, wenn es im Herbst in Astana um die ersten Olympiatickets geht. Damit steht auch bei ihnen das Ziel, eine Medaille aus Bukarest wieder mit nach Hause zu nehmen. Angeführt wird das DRB-Frauenteam von Aline Rotter-Focken, die 2014 Weltmeisterin wurde, 2015 WM-Bronze gewann und 2017 mit Silber den WM-Medaillensatz vervollständigte, aber nun in das äußerst stark besetzte, schwerste Limit bis 76 Kilo aufrückte.

Die Kämpfe beginnen am kommenden Montag in der Polyvalent-Halle. Den Startschuss geben die Freistilringer, am Dienstag werden die Kämpfe der ersten Damenabteilung ausgelost, die ab Mittwoch in das EM-Turnier einsteigen, den Schlusspunkt setzen ab Freitag die Griechisch-Römisch-Spezialisten.