Sehr zeitig im olympischen Jahr 2020 werden die Europameisterschaften der Männer und Frauen im Ringen ausgetragen. Schauplatz der Kämpfe ist der historische Vorort Roms, Ostia, wo vor 2000 Jahren die römischen Legionen vor den Toren der Ewigen Stadt lagerten.
Dort wo sich der Tiber ins Meer ergießt, werden bis zum kommenden Sonntag die besten Ringerinnen und Ringer des Kontinents ermittelt. Diese Europameisterschaft hat allerdings den Anstrich einer Aufwärmrunde für die kommenden Qualifikationswettkämpfe zu den Olympischen Spielen in  Tokio. In Italien werden keine Startplätze für das olympische Turnier im August diesen Jahres vergeben.

Den Auftakt in Ostia machen am Montagmittag die Griechisch-Römisch-Spezialisten, wobei das deutsche Team von Frank Stäbler (72 kg/KSV Musberg) angeführt wird, der im Oktober 2019, bei den Weltmeisterschaften in Nur-Sultan (KAZ) nach dreimal Gold in Folge, Bronze gewann, sich damit jedoch das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio (JPN) holte. „Bis zu den Olympischen Spielen brauche ich einige hochkarätige Wettkämpfe, um mich auf das olympische Turnier einzustimmen“, so Stäbler, der mit Bundestrainer Michael Carl den langfristigen Leistungsaufbau im Auge hat. Daher wird Stäbler die Titelkämpfe in Ostia auch im höheren Limit bis 72 Kilo bestreiten und nicht schon zu so einem frühen Zeitpunkt, den schweren Gang ins leichtere, olympische Limit bis 67 Kilo antreten.

„Wir haben für unsere drei Olympiastarter individuelle Pläne bis Tokio abgesprochen, daher wird nur Frank Stäbler in Ostia auf die Matte gehen, für Schwergewichtler Eduard Popp (130 kg/VfL Neckargartach und Denis Kudla (87 kg/SV Alemannia Nackenheim) haben wir einen anderen Fahrplan in Richtung Tokio erstellt“, so Michael Carl, der für das Schwergewicht Jello Krahmer (ASV Schorndorf) nominierte, der sich kürzlich bei den Thor Masters, in Dänemark durchsetzte.
Im leichtesten Limit tritt Fabian Schmitt (55 kg/SV Wacker Burghausen) an, der seine Bronzemedaille aus dem Vorjahr verteidigen möchte. Eine Rechnung hat der Lichtenfelser Ringer Hannes Wagner (82 kg) noch offen, nachdem er 2019 bei den kontinentalen Titelkämpfen in Bukarest (ROU) hauchdünn an Bronze scheiterte, will es der Korbstädter nun in Ostia erneut wissen. Pascal Eisele (77 kg) hat schon einige internationale Lorbeeren gewonnen, vor vier Jahren – also ebenfalls in einem olympischen Jahr wurde der Ringer vom SV Fahrenbach Europameister, ein Jahr später gewann Eisele bei den Weltmeisterschaften in Paris (FRA) Bronze. Der Deutsche Meister Witalis Lazowski (67 kg/SV Wacker Burghausen) komplettiert das Teilnehmerfeld der Griechisch-Römisch-Spezialisten in Ostia.

Nach den Griechisch-Römisch-Ringern sind es die Frauen, die ab kommenden Mittwoch um die kontinentalen Titel und Medaillen kämpfen. Auch diese DRB-Delegation wird von der derzeit erfolgreichsten deutschen Ringerin angeführt, die Weltmeisterin von 2014 und WM-Dritte aus dem Vorjahr Aline Rotter-Focken (76 kg/KSV Krefeld) will sich ebenso wie Frank Stäber in Ostia einen guten Start ins olympische Jahr verschaffen, denn auch die Krefelderin gewann mit WM-Bronze in Nur-Sultan (KAZ) 2019 gleichzeitig die Fahrkarte nach Tokio 2020. Mit Anna Schell (SC Isaria Unterföhring) greift auch die zweite, deutsche Olympiastarterin in Ostia ins Kampfgeschehen ein. Die Silbermedaille bei den Europameisterschaften 2019 in Bukarest (ROU) war im Vorjahr ein guter Start in eine Saison, die sie dann im Oktober fast schon sensationell mit WM-Bronze krönte.
Mit Maria Selmaier (72 kg/KSC Apolda) kämpfte sich eine erfahrene Ringerin zurück in die DRB-Auswahl um Trainer Patrick Loes. Vor einem Jahr in Bukarest angeschlagen bei den Europameisterschaften ausgeschieden, empfahl sich die Olympiateilnehmerin von 2016 in Rio mit ihrem Turniersieg Anfang Januar, beim Ranglistenturnier in Rom bei Patrick Loes für die erneute EM-Teilnahme. Nach Verletzungspause kehrt auch Laura Mertens (AC Ückerath) zurück auf internationale Meisterschaftsmedaillen, die kürzlich in den USA erfolgreich kämpfte und sich damit zurück in die DRB-Mannschaft um Patrick Loes katapultierte.
Bei den Weltmeisterschaften 2019 in Nur-Sultan (KAZ) hatte Ellen Riesterer (55 kg/Freiburg-Haslach) das Olympiaticket schon fast in den Händen, als sie es in letzter Sekunde noch aus den Händen gab. Bundestrainer Patrick Loes hofft, dass die junge Freiburgerin über die Qualifikationswettkämpfe noch auf den Zug nach Tokio aufspringen kann.  Bei den Europameisterschaften in Ostia kann sich Ellen Riesterer dafür schon einmal warm ringen. Neben Ellen Riesterer kämpft auch Annika Wendle (53 kg/ASV Altenheim) in Rom/Ostia mit, die ebenso wie Ellen Riesterer aus der Riege der jungen, nachrückenden DRB-Ringerinnen kommt.
Die DRB-Auswahl der Frauen komplettiert in Ostia Luisa Niemesch (62 kg/SVG Weingarten). Die Ringerin aus Nordbaden konnte schon viele Erfolge im Trikot des Deutschen Ringer- Bundes für sich verbuchen und nimmt nun bei den Europameisterschaften 2020 erneut Anlauf.

Den Schlusspunkt der Titelkämpfe in Rom/Ostia setzen die Freistilringer am kommenden Wochenende. Hier hofft Bundestrainer Jürgen Scheibe mit der gesamten, deutschen Ringerfamilie, dass die Thalsohle endlich durchschritten ist und vielleicht auch noch ein Olympiaticket zu den bereits 5 erkämpften Fahrkarten der Griechisch-Römisch-Ringer (3) und Frauen (2) hinzu kommt.
In Rom setzt Scheibe auf viele junge Ringer, die auf kontentinaler Ebene wieder Anschluss finden sollen. Horst Lehr (57 kg/SRV Viernheim), Viktor Lyzen (61 kg/KSV Köllerbach), Niklas Dorn (65 kg/KSC Hösbach), Kevin Henkel (70 kg/TSV Dewangen), Lars Schäfle (86 kg/RKG Freiburg 2000) und Gennadij Cudinovic (97 kg/AC Heusweiler) sind die Hoffnungsträger, die aus dem Juniorenbereich, oder der Altersklasse der U-23-jährigen kommen und nun im Männerbereich Fuß fassen sollen. Einzig Nick Matuhin (125 kg/1. Luckenwalder SC) gilt als erfahrener Ringer den Heimtrainer Aleksandr Sommer noch einmal zu alter Stärke führen- und mit ihm die Hoffnungen auf ein Olympiaticket wahren möchte.