Der Deutsche Ringer-Bund, die Deutsche Ringer-Liga sowie Vertreter der Bundesliga-Vereine trafen sich am Rande der Deutschen Meisterschaften in Aschaffenburg  zu weiteren Gesprächen.

Ringsport-Magazin nahm dies zum Anlass, DRL-Geschäftsführer Markus Scheu zu interviewen und die Fragen zu stellen, die in Foren sowie dem Ringsport-Magazin bei div. Veranstaltungen im Bezug DRL und DRB Streit gestellt wurden.

Herr Scheu, seit zwei Jahren geht das Hin und Her zwischen DRB und DRL endlos weiter. Aber es gibt noch längst kein Licht am Horizont. Warum? 

Scheu: Entweder, weil wir es nicht geschafft haben, mit rüber zu bringen, dass eine eigenständige Liga dem DRB in keinster Weise schadet – so wie dies auch in anderen Sportarten der Fall ist -, oder, weil es von Seiten des DRB nie ein Interesse an einer Zusammenarbeit gab.

Einige Vertreter der Bundesliga-Vereine werfen Ihnen nach der jüngsten Sitzung in Aschaffenburg vor, nicht genug Stellung bezogen zu haben. Wie gehen Sie mit der Kritik um? 

Scheu: Vom Gericht und den Landesorganisationen gefordert, wurde in München vereinbart, dass der DRB und die DRL gemeinsam ein Konzept erarbeiten sollen. Dieses Vorgehen halte ich nach wie vor für sinnvoll. Einseitige Konzepte vorzulegen, die dann mit einer „Abrechnung mit einem Wahnsinn“ zerrissen werden, bringen uns nicht weiter. In dem sehr guten Gespräch mit DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis und DRB-Anwalt Schneider in München, wurde ein absolut vernünftiger Plan ausgearbeitet, wie wir uns gemeinsam an das Thema heranwagen. Warum diese Vorgehensweise dann einseitig vom DRB über den Haufen geschmissen wurde, verstehe ich bis heute nicht. Ich will die Hoffnung jedoch nicht aufgeben. Allerdings taucht die Frage auf: Ist dem DRB-Vorstand an einer Lösung des Problems nicht gelegen?

Seien Sie ehrlich, haben Sie Ihre Hausaufgaben für die Zusammenkunft gemacht? 

Scheu: Dass die Bundesligavereine genervt sind, verstehe ich absolut. Sie wurden unter falschen Voraussetzungen, zum Teil auf eine siebenstündige Fahrt geschickt, um dann zu erfahren, dass eine ganz andere Vorgehensweise vereinbart wurde und es kein fertiges Konzept gibt, über welches nur noch abgestimmt werden muss. Woher sollte dieses Konzept denn kommen, wenn bis dato nie gemeinsam eines erarbeitet wurde? Gerne wird die DRL zusammen mit dem DRB ein Konzept erarbeiten, auch mit den Bundesligavereinen, oder sogar mit den Landesorganisationen. Nicht abgestimmt eines vorzulegen, ist jedoch von vornherein zum Scheitern verurteilt und das versteht sicher absolut jeder, der sich ein wenig in der Materie auskennt. Den Vereinen wurde in einer öffentlichen Pressemitteilung des DRB mitgeteilt, dass in weiteren Gesprächen nun angestrebt werde, die Ligenstruktur weiter zu konkretisieren. In einem gemeinsamen Dialog. Selbstverständlich gingen die Vereine davon aus, dass dies geschehen wäre und sie ein Konzept vorgelegt bekämen. Dies wäre auch sinnvoll gewesen. Aber ohne ein Gespräch drehen wir uns im Kreis. Um auf Ihre Frage zurück zu kommen: Gerne machen wir unsere Hausaufgaben. Dazu brauchen wir jedoch einen Partner. Einen, der an einer Lösung interessiert ist.

Warum kamen die anderen Vereinsvertreter der DRL nicht mit nach Aschaffenburg? 

Scheu: Warum sollen sie denn kommen? Unsere Mitglieder wussten doch, dass wir kein gemeinsames Konzept erarbeitet haben, es auch keine gemeinsame Presseerklärung gibt und es nichts bringt, wenn wir alleine etwas vorstellen. Nur der einladende DRB wusste, was er genau in der kurzen Mittagspause der Deutschen Meisterschaften besprochen haben wollte. Von unserer Seite aus konnte es nur um eine Information über den Stand der Gespräche gehen und dies konnte auch ich übernehmen. Warum der DRB nicht seine Vereine darüber informiert hat, dass die Münchner-Agenda von ihm selbst aufgekündigt wurde, kann ich nicht sagen. Uns wurde nicht einmal auf die Frage geantwortet, welche Vereine zugesagt haben, nach Aschaffenburg zu kommen.

Sahen Sie überhaupt einen Sinn in dem Treffen? 

Scheu: Um was ging es denn in der Mittagspause in Aschaffenburg? Wir bekamen nicht mal eine gemeinsame Presseerklärung zustande und sollten in eben dieser kurzen Zeit alle Probleme lösen. Nein, einen Sinn sahen wir nicht. Wir konnten nur hoffen, dass die vereinbarte Agenda doch noch ernst gemeint war.

Der deutsche Ringkampfsport findet in den Medien kaum noch Beachtung. Nur noch vereinzelt in den regionalen Tageszeitungen wird berichtet. Wann hört dieses Zerwürfnis auf, damit endlich wieder über positive Schlagzeilen berichtet werden kann? 

Scheu: Interessanterweise wird gerade derzeit und genau deswegen überregional über unseren Sport berichtet. Ein Zerwürfnis interessiert die Presse leider mehr, als der Sport an sich. Genau aus diesem Dilemma müssen wir raus. Bevor wir antraten, konnten nur die öffentlich-rechtlichen Programme berichten und wir mussten Gelder dafür zahlen, damit wir im Regionalfernsehen auf uns aufmerksam machen konnten. Nicht mal im Internet durfte ein Kampf ausgestrahlt werden. Dies ist zum Glück seit dem Erscheinen der DRL nicht mehr der Fall – auch nicht mehr in der Bundesliga. Auf der ganzen Welt kann und wird das Deutsche Mannschaftsringen verfolgt. Hier ist die Weltklasse am Start und damit können wir werben und Menschen von unserem Sport begeistern. Ohne Streit wären wir hier noch viel weiter. Wir behindern uns und unseren Sport derzeit selber.

Stehen Sie einer eingleisigen Ersten Bundesliga mit fünf DRL-Teams und den fünf besten DRB-Teams sowie einer darunter gelagerten Zweiten Bundesliga mit zwei oder drei Staffeln offen gegenüber? 

Scheu: Das ist eine der vielen möglichen Szenarien. Wichtig ist hier, alle beteiligten Vereine an einen Tisch zu bringen und eine sinnvolle Lösung für alle zu finden. Eine, in der nicht ein paar Top-Teams alles zerreißen und nichts mehr übriglassen. Eine Liga, in die es sich lohnt, aufsteigen zu wollen.

Geben Sie den Verhandlungen noch eine Chance? 

Scheu: Ich gebe Verhandlungen immer eine Chance. Nur sollten sie halt irgendwann auch beginnen und dann müssen sich natürlich die beteiligten Parteien auch an Vereinbarungen halten.

 Auch mit DRB-Präsident Manfred Werner?

Scheu: Warum nicht? Wir sollten nur langsam mal anfangen zu reden. Setzen wir auf den Vereinbarungen von München einfach wieder auf, dann bekommen wir alles hin. Wir werden zu einer Klausurtagung einladen, um genügend Zeit zu haben, gemeinsam das erarbeitete Konzept zu verfeinern.

Viele sprachen schon vom Aus der DRL, weil man in letzter Zeit zu wenig gehört hat. Ist dies der Fall?

Scheu: Dem kann ich getrost widersprechen. Wir haben gerade einen Medien-Vertrag abgeschlossen, über den wir in Kürze medial berichten werden. Dann ist Schluss mit der Stille. Um die Gespräche mit dem DRB nicht zu gefährden, hatten wir uns zuletzt sehr zurückgehalten. Nun wollen wir uns jedoch wieder hauptsächlich dem Sport zuwenden und zeigen, was die DRL vorhat und was sie alles kann. In Kürze beginnt das Hauptverfahren. Danach stehen uns alle Wege offen und kein Ringer kann mehr gesperrt werden. Wobei es dem DRB-Vorstand auch schon in den abgeschlossenen Verfahren unter Androhung von Strafe verboten wurde, die Sperren aufrecht zu halten.  Viele in den letzten Jahren enttäusche Erstligisten haben angekündigt, dass sie sich den Weg mit uns, nach einer endgültigen rechtlichen Klärung, sehr gut vorstellen können. Gerade auch, weil wir keine Gebühren verlangen und wir Konzepte erarbeitet haben, das Gefälle zwischen den Mannschaften dramatisch zu verringern. Weltklasse ja, auf jeden Fall! Aber keinem der sogenannten großen Vereine nutzt es etwas, wenn er zuletzt ohne Gegner dasteht. Das haben alle unsere Mitglieder verstanden.