In einem an Spannung kaum zu überbietenden Finale holte sich Frank Stäbler (72 kg/KSV Musberg) mit einem 2:1-Punktsieg gegen den Lokalmatadoren Balint Korpasi den WM-Titel – seinen dritten in Folge!

Nach dem erfolgreichen Auftakt der deutschen Griechisch-Römisch-Ringer bei den Weltmeisterschaften in Budapest (HUN), knisterte es am Freitag förmlich in der Laszlo-Papp-Arena. Überall stand die Frage im Raum: Kann Frank Stäbler den Hattrick schaffen? Oder wird der Lokalmatador Balint Korpasi von den 8.000 Fans in der Arena zum Titel getragen”

„Ich will den Titel“, so der Musberger vor dem Kampf um die Goldmedaille, der in den Vorkämpfen bis zum Finale mit Giorgi Khutchua (GEO), Abuiadzid Mantsigov (RUS), Demeu Zhadraev (KAZ) und Rasul Chakaev (AZE) Weltklasseringer bezwingen musste, während der Ungar ein weitaus günstigeres Los gezogen hatte. Und jetzt hat er ihn – und er konnte es kaum fassen. „Es lief in diesem Jahr so viel schief, die Misere mit der Trainingshalle in Musberg, Verletzungspech kam dazu, auf der anderen Seite aber auch die Geburt unserer Tochter, die mich zusätzlich motiviert hat“, sprudelte es aus dem Titelverteidiger kurz nach dem Kampf heraus.

„Was Frank Stäbler da geleistet hat, ist mit Worten nicht zu beschreiben“, fand Bundestrainer Michael Carl wenig später die richtigen Worte. „Vor allem wie er in der Neuauflage des Vorjahresfinals gegen Zhadraev aus einem 0:6, einen 10:6-Sieg machte, das war eine Super-Leistung auf dem Weg ins Finale und auch da hat er den Rückstand mit einem Angriff, in dem er alles hineingelegt hat, in ein 2:1 gedreht“, so Carl weiter.  Der Bundestrainer lobte auch Roland Schwarz (82 kg/ASC Bindlach) nochmals, der ebenfalls am Vortag eine starke Leistung bot, jedoch im Viertelfinale gegen Atabek Azisbekov (KGZ) unterlag, der anschließen das Halbfinale verlor. Damit war Schwarz nach großartiger Leistung in den beiden vorangegangenen Kämpfen ausgeschieden.

Der Schwung der deutschen Griechisch-Römisch-Spezialisten wurde schon am am Freitagmorgen weiter getragen, als der Olympiadritte von Rio 2016 und Vizeweltmeister von Paris 2017, Denis Kudla (87 kg/VfK Schifferstadt) zunächst gegen Nikolaj Dobrev (SRB) mit 10:1-Punkten gewann und danach auch Masato Sumi (JPN) mit 2:1 aus dem Rennen warf, gegen den Vizeweltmeister von 2015 Rustam Assakalov (UZB) mit 2:5 -Punkten allerdings unterlag. Der Usbeke verfehlte den Finaleinzug und so konnte Denis Kudla auch nicht mehr über die Hoffnungsrunde neu ins Kampfgeschehen eingreifen.

Auch Etienne Kinsinger (60 kg/KSV Köllerbach) gewann seinen Auftaktkampf gegen Dalton Roberts (USA) mit 11:0. Gegen Victor Ciobanu (MDA) war dann mit 1:8, nach zwei Würfen des Moldawiers zunächst Schluss für den Saarländer, der allerdings in der Hoffnungsrunde weiterkämpfen kann, da Ciobanu am Abend den Sprung ins Finale schaffte.

Der dritte, deutsche Starter am Freitag war Erik Weiß (67 kg/RSV Hansa 90 Frankfurt/O.), der mit Gevorg Sahakyan (POL) einen der stärksten Ringer seiner Gewichtsklasse aus dem Lostopf zog. Sahakyan wechselte 2018 von Armenien nach Polen und belegte bei den Europameisterschaften in Kaspiisk (RUS) den fünften Platz „Erik kämpfte trotz der 3:5-Niederlage ordentlich mit. Schade, dass Sahakyan im Halbfinale verlor“, tröstete Michael Carl den Routinier, der damit aus dem Rennen war.

Doch das ging alles im unbeschreiblichen Jubel der vielen mitgereisten deutschen Fans unter, die ihren Weltmeister mit Sprechchören feierten.  Ein unbeschreiblicher Abend, bei dem der Ringkampfsport aus der Nische herausrückte, ins Rampenlicht. Selbst der IOC-Präsident Dr. Thomas Bach ließ es sich nicht nehmen, kam in die Arena nach Budapest und gratulierte dem Ringerhelden gemeinsam mit dem Präsidenten des Ringer-Weltverbandes Nenad Lalovic und Manfred Werner, dem Präsidenten des Deutschen Ringer-Bundes, unmittelbar nach dem Kampf.

Foto: Jörg Richter