Die deutschen Junioren- und Juniorinnen sorgten bei den Europameisterschaften in Rom für eine wahre Medaillenflut. 7 Medaillen gab es für den Deutschen Ringer- Bund insgesamt. Gold und Silber holten die Griechisch-Römisch-Spezialisten gleich zum Beginn der Titelkämpfe, die Juniorinnen sorgten für einmal Silber und drei Bronzemedaillen, während die Freistilringer unter ihrem neuen Nachwuchs-Bundestrainer Marcel Ewald am letzten Kampftag mit Bronze glänzten.

„Eine insgesamt fantastische Leistung, hier haben sich die Athleten und ihre Trainer für ihre harte Arbeit selbst belohnt“, unterstreicht das Ergebnis aus Sicht des DRB-Präsidenten Manfred Werner die Entbehrungen und Schweiß der vergangenen Monate, ja Jahre.

Am letzten Kampftag war es der erst 18-jährige Ertogrul Agca (92 kg/TV Essen-Dellwig), der selbstbewusst auftrat und die meist älteren Kontrahenten in die Schranken wieß. Nur im Halbfinale musste er den Sieg Askhab Zakuev (AZE) knapp mit 2:4 Punkten überlassen, doch im kleinen Finale machte er einen 0:4-Rückstand wett und hatte den Georgier Beka Nadashvili zum Beginn der zweiten Runde auch schon fast auf beiden Schultern – am Ende reichte es zu einem 8:7 Punktsieg, der dem jungen DRB-Ringer Bronze bescherte. Auch Kevin Lucht (79 kg/KSV Pausa) stand am letzten Kampftag im kleinen Finale um Bronze, doch der Deutsche Juniorenmeister und Bronzemedaillengewinner der diesjährigen deutschen Männermeisterschaft unterlag mit 6:10 und verpasste so den Sprung auf den Bronzerang.

Den Startschuss gaben die Griechisch-Römisch-Spezialisten. Schwergewichtler Franz Richter (130 kg/AV Germania Markneukirchen) war der erste DRB-Starter, der sich mit starken Vorrundenergebnissen ins Finale kämpfte. Dort unterlag Richter dem Russen Oleg Agakhanov bei einem Versuch zu rollen. „Der Russe war fast schon durchgerollt, ein kleiner Ruck hat gefehlt, für Agakhanov war das natürlich ein Lucky Punch“, so Nachwuchs-Bundestrainer Maik Bullmann, der die starke Gesamtleistung des Schwergewichtlers unterstrich, der mit 107 kg zu den Leichtgewichten unter de Schweren gehört. Am Tag drei der EM in Rom dann das I-Tüpfelchen der deutschen Ringer mit dem Gewinn des Europameistertitels von Andrej Ginc (60 kg/RSV Hansa 90 Frankfurt/O.), der gemeinsam mit Franz Richter in Jahr 2011 an das Leistungszentrum nach Frankfurt(O.) kam, wo beide eine leistungssportliche Laufbahn einschlugen. Ginc der beim SAV Torgelow das Ringer- A-B-C erlernte, legte laut Nachwuchs-Bundestrainer Maik Bullmann eine Weltklasseleistung hin, bezwang auf dem Weg ins Finale absolute Spitzenringer, die auch schon bei den Männern für Furore sorgten und punktete selbst im Finale den starken Russen Abu Amaev noch in der ersten Runde der Begegnung aus.

Selbst Weltklasse bot Maik Bullmann 1990 bei den Weltmeisterschaften an gleicher Stelle, wo der heutige Nachwuchs-Bundestrainer, Gold gewann, wobei die beiden, deutschen Verbände nach der Wiedervereinigung erstmals wieder eine gesamtdeutsche Mannschaft stellten, die nach Rom/Ostia reiste.

18 Jahre später; … während sich Andrej Ginc, der auch schon bei den Kadetten Vize-Europameister war und im gleichen Jahr 2015 Bronze bei der WM in Sarajevo (BIH) gewann, auf sein Gold-Finale vorbereitete, stiegen auch schon die jungen Damen ins Geschehen ein. Ellen Riesterer (50 kg/SV Freiburg-Haslach) wurde um ihre Finalteilnahme durch ein nicht geahndetes Foul gebracht. Ihre türkische Halbfinalkontrahentin Aynur Erge zog die DRB-Ringerin kurz vor Kampfende an den Haaren zu Boden und bekam zwei Punkte zugesprochen, da der Hauptkampfrichter beim Videobeweis nur die zu Ende gehende Kampfzeit im Auge hatte und nicht auf das Foul achtete. Im kleinen Finale um Bronze machte Ellen Riesterer mit der Polin Magdalena Majos kurzen Prozess und siegte mit Wut im Bauch nach wenigen Sekunden durch Schultersieg.

Bronze erkämpfte wenig später auch Debora Lawnitzak (59 kg/SV Luftfahrt Berlin), die ebenso mit einer EM-Medaille glänzen wollte, wie ihr Freund Martin Obst (1. Luckenwalde), der bei den Freistil-Männern 2018 Vize-Europameister wurde. Das beflügelte die junge Ringerin, die bei Trainer Michael Kothe im Leistungszentrum Frankfurt(O.) trainiert zusätzlich, die nur gegen Tetiana Rizhko (UKR) unterlag, über die Hoffnungsrunde das kleine Finale erreichte und dort im Kampf um Bronze Maryia Hulida (BLR) mit 10:2 Wertungspunkten bezwang.

Die Freude des Trainergespanns Rainer Kamm und Co-Trainer Michael Kothe kannte keine Grenzen, als sich Eyleen Sewina (RSV Rotation Greiz) mit einer taktischen Meisterleistung gegen die Lokalmatadorin Elena Esosito mit 1:1 Punkten, mit der zuletzt vergebenen Wertung für das Finale qualifizierte. Dort unterlag sie der Ukrainerin Oksana Chudyk, doch auch mit EM-Silber lag sie über allen Erwartungen und strahlte zu Recht auf dem Podium. Michael Kothe, OSP-Trainer am Stützpunkt Frankfurt(O.), der Eyleen Sewina an der Oder betreut, kam gar nicht aus dem Feiern heraus, denn auch Serena Bölke (RSV Hansa 90 Frankfurt/O.) wuchs schlechthin über sich hinaus, rückte nach furiosen Vorrundenbegegnungen ins Halbfinale ein, wo sie gegen die überragende Sara Lindborg (SWE) verlor, die in Rom ihre immerhin schon 7. internationale Meisterschaft absolvierte und Vize-Europameisterin wurde. Im Kampf um Bronze kämpfte Serena Bölke wie entfesselt und die Frankfurterin holte gegen Magdalena Glodek (POL) mit einem 8:4-Erfolg EM-Bronze – die insgesamt 4. Medaille für die Junioren bei den Titelkämpfen in Rom.
„Das Ergebnis ist beeindruckend, wobei Anne Nürnberger (55 kg/KSC Motor Jena) bei ihrem EM-Debüt, sowie Janny Sommermeyer (62 kg/RSV Hansa 90 Frankfurt/O.) im Viertelfinale nur hauchdünn unterlagen und ihre Gegnerinnen wenig später Edelmetall einheimsten“, so Rainer Kamm, der mit seinen Mädels vier der sieben Medaillen gewann, ganz nach dem Spruch, dass ein zufriedener Trainer wohl kein Guter wäre. Doch auch Marcel Ewald stieß ins gleiche Horn; „… wir hatten Fortune nicht unbedingt auf unserer Seite, einige meiner Ringer hatten Lospech, aber es wurden im Weltklassefeld auch Fehler gleich bestraft“, kennt Ewald Höhenflüge und Tiefpunkte noch aus eigener Zeit, die gar nicht so lange zurück liegt. Doch auch Ewald sah einige Situationen, bei denen der eine-, oder andere Schützling einige Platzierungen hätte gut machen können, doch es gab auch schwere Lose, die kein Weiterkommen erlaubten.

In fünf Wochen stehen die Weltmeisterschaften der Junioren in Trnava (SVK) an und die deutschen Junioren- und Juniorinnen gehen die Titelkämpfe in der Slowakei durchaus optimistisch an, obwohl dort die Trauben noch etwas höher hängen dürften. Doch wie sagt ein altes Ringersprichwort: Jeder Kampf beginnt bei Null und hat seine eigenen Regeln.