Die DRB Bundestrainer Maik Bullmann und Michael Carl im Exklusiv-Interview

Eine Woche lang stand in Aalen ein Technik-Lehrgang der Junioren und Männer im Greco auf dem Programm. Ringsport-Magazin-Redakteur Falko Ismer-Werner führte am Rande der Trainingseinheiten zwei Interviews mit den DRB-Bundestrainern, Maik Bullmann, zuständig für den Juniorenbereich und Michael Carl, er zeichnet sich für die Männer verantwortlich.

Maik, wie viele Teilnehmer hattest Du bei der Trainingsmaßnahme?

Bullmann: Wir sind mit den Junioren, den Männern und Betreuern knapp 40 Teilnehmer aus drei Ländern. Die Österreicher mit Stefan Huster, Bernhard Begele, Markus Ragginger und Trainer Peter Kosmata und die Schweizer Ringer mit sechs Ringern, darunter Damian von Euw und Alfred Ter-Mkrtchyan als Trainer. Die Männer unterstützen unsere Junioren technisch sowie in den Gewichtsklassen. Die Männer waren die letzten drei Lehrgangstage hier in Aalen, in der Thomas-Zander-Halle.

Wieviel Athleten sind nominiert für die kommende EM?

Bullmann: Ich habe sechs Athleten nominiert, alle sind da, sie präsentieren sich hier ganz gut.

Was waren die Schwerpunkte dieses sieben Tage dauernden Lehrganges?

Bullmann: Schwerpunkte waren Vorbereitung auf die Junioren-EM, das Wettkampftraining und die Intensivierung des Kampferlebnisses. Hier ging es auch um das wettkampfnahe Training, der Großteil der Anwesenden machte das sehr gut. Die letzte Vorbereitungsphase besteht immer aus dem wettkampfnahen Training, Kampfübungen, Nachstellen von Kampfsituationen und Belastung. Die Vermittlung von Taktik tritt hier eher in den Hintergrund, nicht unwichtig aber hier eher zweitrangig. Kampfübungen, aus dem Zwiegriff daraus Techniken ziehen, oder aus dem doppelten Aufziehen und dies in eine Wertung umwandelnde Armklammer, das sind Techniken, die beherrscht und zur Anwendung gebracht werden müssen. Bei unseren Trainingswettkämpfen im Lehrgang sollten die Techniken sichtbar und strukturiert sein, also offensiv und technisch gerungen werden. Nach diesem Lehrgang verbringen alle Sportler die letzten zehn Tage vor der EM in ihrem Heimbereich zur Erholung, Wiederherstellung der Physis und Wiedererlangung der Schnelligkeit.

Wenn Ihr am EM-Standort angereist seid, was läuft dann noch vor Wettkampfbeginn ab?

Bullmann: Wir kommen an, losen am Sonntag und dann findet noch ein Training statt. Auf die letzten Meter geht es noch darum Erinnerungsreize an die Techniken zu setzen. Und dann beginnt schon der Wettkampf.

Gibt es noch Tipps, wie mit den Gegnern zu verfahren ist?

Bullmann: Im Juniorenbereich hast du immer mal wieder neue Ringer, auf die bekannten „alten“ Gegner gehen wir schon ein. Grundsätzlich muss sich jeder Ringer auf seinen Stil und seine Techniken verlassen und dies auch umsetzen, was er sich im Trainingsprozess angeeignet hat.

Wie läuft die Auswertung nach Turnierabschluss?

Bullmann: Die Videoanalyse und die Nachbetrachtung finden nach Meisterschaften immer statt. Für mich sind hierbei aber die Wettkampfinhalte wichtig und sollten dabei sichtbar sein. Hier muss die Technikstruktur während des Kampfes auffallen, erkennbar und präsent sein. Wenn aber keine technische Handlung mit oder ohne Punkt zu sehen ist, frage ich mich schon, wenn der Ringer das im Juniorenbereich nicht umsetzen und anwenden kann, wird es bei den Männern sicherlich nicht besser werden. Da wird es dann schwierig. Wenn nur ein Kampf bestritten wurde, keine technische Handlung vorhanden war, werde ich mit dem Ringer noch einmal ein ernsthaftes Gespräch über seine Motivation führen.

Abgesehen von EM und DM, schaust Du Dir auch Ligawettkämpfe an?

Bullmann: Für mich als Bundestrainer sind die Ligawettkämpfe sekundär. Ich versuche mich während dieser Wettkampfzeit auch vom internationalen Wettkampftourismus des Jahres zu erholen und meinen Energiespeicher aufzufüllen. Wenn ich einen Wettkampf besuche, dann Halb- oder Finalkämpfe der Bundesliga. Hier bin ich dann Zuschauer und kein Bundestrainer. Das ist aber wie sich jeder vorstellen kann eher schwierig.

Wie hältst du Kontakt zu Deinen Sportlern in dieser Zeit? Gibt es noch Trainingsmaßnahmen im Spätherbst?

Bullmann: Nun, es gibt dann noch einige Trainingsmaßnahmen, halte aber eher direkten Kontakt, auch über die Trainer. Ich sehe ja auch den einen oder anderen Ringer in Frankfurt/Oder am Olympiastützpunkt, wo ich auch sehr oft vor Ort bin. Weiterhin besuche ich die anderen Stützpunkte im vierten Quartal und unterhalte mich hierbei mit den Verantwortlichen der Stützpunkte und den dortigen Athleten. Da geht auch schon die Planung für das darauffolgende Jahr los.

 

Michael, wie viele Ringer hattest Du eingeladen?

Carl: Insgesamt waren es 18,  vor Ort waren dann 16, alles Männer und U23-Ringer. Unser Schwerpunkt liegt auf der Vorbereitung zur WM im Oktober in Budapest und parallel auf die vier Wochen später folgende U23-WM. Wir liegen voll im Zeitplan, versuchen dies, wenn möglich, immer zu koppeln zwischen den Männern und den U23-Akteuren, um erstens Trainingspartner in allen Gewichtsklassen zu haben und zweitens eine Ressourcen schonende, wie auch wirtschaftliche und methodische Trainingsplanung durchführen zu können.

Auf welchem Leistungsniveau stehen Deine Ringer momentan?

Carl: Da wir schon länger in der Vorbereitung sind, war für den einen oder anderen Ringer die Deutsche Meisterschaft auch ein Konditions- und Leistungstest. Bereits zu den „Thor Masters“ im Februar waren einige Ringer schon gefordert. Es folgte die EM, die DM und im Juni waren wir in Fuerteventura auf einem Konditionslehrgang. Wir sind also mitten in den Vorbereitungen zur WM, aber auch schon langfristig in Vorbereitung auf die kommenden Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Drei Tage ging der Lehrgang. Auffällig war, dass du Ringern Zeit gegeben hast, damit sie sich während des Ringens gegenseitig Tipps geben konnten, wie sie ihre Technik verbessern oder abändern können, aber auch wie man während eines Kampfes seine Technik umstellen kann, um doch noch zu siegen. War das beabsichtigt und baust du solche zeitlichen „Ringer Eigenoptimierungen“ verstärkt ein?

Carl: Ja, so arbeiten wir Trainer bereits seit einiger Zeit, das ist die Philosophie von uns Trainern. Wir haben gestandene und zum Teil sehr erfolgreiche Athleten, bauen diese beim Techniktraining so mit ein, dass sie ihre Erfahrungen aus erster Hand und ihr Feedback direkt an die nicht so erfahrenen Ringer, in bekannten Zweikampfsituationen weitergeben können. Dementsprechend sind die Vorgaben so. Im technisch-taktischen Training geben sich die Athleten gegenseitiges Feedback. Was kann der andere Athlet besser machen? Fakt ist doch, wir sind meist nur zwei bis drei Trainer und können nur punktuelle bestimmte Probleme erkennen, ansprechen bzw. eingreifen, jedoch die Ringer sind im direkten Kontakt untereinander und die Topathleten können und sollen ihr Know-how weitergeben. Dadurch erreichen wir auch eine schnellere Leistungssteigerung einzelner Athleten, vor allem bei den U23-Sportlern.

Wie unterscheidet sich das Männer-Trainingsprogramm von den Junioren?

Carl: Wir befinden uns momentan in dem methodischen Aufbauprogramm. Das bedeutet, größere Technik und längere Kampfabschnitte von bis zu 10 Minuten Situationskampf, allerdings bei geringer Maximalbelastung. Wir hatten erst vor Kurzem einen Konditionslehrgang auf Fuerteventura. Im Vergleich zu den Junioren, da die WM terminlich näher liegt, kurze Kampfabschnitte von drei Minuten und intensive Kampfabschnitte mit schnell wechselnden Techniken bei Maximalbelastung.

Ein Konditionslehrgang auf Fuerteventura, wie muss man sich das vorstellen, was wurde da gemacht?

Carl: Wir haben viel im Kraft- und Ausdauerbereich gearbeitet, dies lässt sich am besten umsetzen durch viel Radfahren und Schwimmen sowie Kraft- und Kraftausdauertraining. Wir haben versucht die individuellen Defizite der Athleten im konditionellen Bereich durch optimierte Einzeltrainingsprogramme zu verbessern.

Und hier in Aalen wurde dann dieses Programm fortgesetzt?

Carl: Dies haben wir hier in Aalen tatsächlich fortgeführt. Individuelles technisches Einzeltrainings auf der Matte bzw. Krafttraining im Kraftraum und Kraftausdauertraining auf der Matte und Außenübungen. Wir haben die zurückliegende U23-EM analysiert und unsere Defizite bewertet. Diese liegen noch im Boden-Abwehrverhalten, dies sind wir angegangen um Verbesserungen herbei zu führen und sichtbare technische Steigerungen bei der nächsten Meisterschaft darzubieten.

Was steht nach diesem Lehrgang noch an?

Carl: Eine Menge: Wir fliegen im Anschluss für elf Tage zu einem internationalen Trainingslager nach Litauen, dann wartet der „Große Preis von Deutschland“ in Dortmund, ein weiterer internationaler Lehrgang mit elf Nationen in Saarbrücken, ein Besuch des IAT Leipzig (Anm. d. Red.: Institut für Angewandte Trainingswissenschaft). Es folgen internationale Trainingslager in Polen und Heidelberg, ein Kurzlehrgang in Freiburg und dann die WM. Nach jeder Trainingsmaßnahme bekommen die Athleten ca. eine Woche Erholung zu Hause, um sich zu regenerieren. Durch den diesjährigen Wettkampfkalender und die Verlegung der WM von August in den Oktober, ist es für alle Beteiligten ein sehr langes Ringerjahr, nicht nur für Deutschland, auch für alle anderen Nationen, das macht die Planung so schwierig um entscheiden zu können, wann das Training zu intensivieren ist, bzw. wann entsprechende „lockere“ Trainingsmaßnahmen angeboten werden können. Eine oder mehrere Medaillen in Budapest, das ist momentan unser Ziel und natürlich die Qualifikation für Olympia.

Dann wünschen wir Euch als Trainer und den Ringer bei der Vorbereitung weiterhin viel Erfolg.

Herzlichen Dank für das Gespräch.