Zwei Wochen nachdem die DRB-Bundesliga mit dem SV Wacker Burghausen ihren Mannschaftsmeister 2017/2018 ermittelte, kam es nun in der konkurrierenden Deutschen Ringerliga zum Show-Down zwischen dem VfK Schifferstadt und dem KSV Ispringen. Nach dem 13:11-Auswärtssieg des VfK Schifferstadt vor einer Woche im Final-Hinkampf, siegte nun der KSV Ispringen, in der seit Tagen ausverkauften Wilfried-Dietrich-Halle in Schifferstadt mit 12:10. Spannender konnte es gar nicht kommen, angesichts des 23:23-Gesamtstandes gab nun die Anzahl der Einzelsiege den Ausschlag zum Titelgewinn und da hatte der KSV Ispringen mit 11:9 Erfolgen die Nase vorn.

Direkt nach dem Abpfiff des letzten Kampfes bildete sich die Jubeltraube beim VfK Schifferstadt, als Patryk Dublinowski (85 kg/FR) im einzigen deutsch-deutschen Vergleich des Tages Ispringens Carsten Kopp mit 16:0 ausgepunktet hatte und die Gastgeber im letzten Kampf des Tages zum 10:12-Endstand heran brachte. Doch dann wich der Jubel großer Ernüchterung und Enttäuschung als bekannt wurde, dass nun Ispringen den schweren Siegerpokal mit nach Hause nimmt, da die Nordbadener mehr Einzelsiege auf dem Konto hatten.

Ein Kampf voller Emotionen, angeheizt durch ein unsicher agierendes Kampfrichtertrio, Sportler und Zuschauer wurden zudem durch zwei Trainerecken aufgeputscht, die oftmals über das zulässige Maß Kampfrichterentscheidungen beeinflussen wollten. Alexander Leipold (Ispringen) und Markus Scherer (Schifferstadt), zwei alte Ringerhasen, standen mehr auf der Matte und gestikuklierten, als sie auf ihren Trainerstühlen saßen, was die knapp 2000 Fans zusätzlich anheizte.
„Wir wollen die ersten vier Duelle gewinnen und so die Grundlage für den Ausgleich des Zwei-Punkte-Rückstandes schaffen“, sagte Welt- und Europameister Alexander Leipold vor dem Kampf. Nach dem Duell schüttelte Leipold, der zum Saisonbeginn das Traineramt des KSV Ispringen übernahm, den Kopf, „… klar, das hab ich mir gewünscht, aber eigentlich konnte man das nicht erwarten“. So gewann Roman Amonyan (59 kg/GR) zum Auftakt gegen den für Schifferstadt kämpfenden Nugsari Tsutusurmia mit 4:1 Punkten. Weltspitzenringer standen sich im Schwergewicht (130 kg/FR) mit Daniel Ligeti (Schifferstadt) und Routinier Georgi Ketoev (Ispringen) gegenüber. Die Erfahrung des 37-jährigen WM-Dritten von Paris 2017 gab vor allem in der zweiten Kampfrunde den Ausschlag zum klaren 7:0-Erfolg des für Ispringen ringenden Russen, der 2016 ein erfolgreiches ‘Come Back’ mit armenischem Pass feierte.

Ispringens Maxim Sacultan (66 kg/FR) hatte schon im Hinkampf Maxim Perpelita mit 4:1 in die Schranken gewießen, auch im spannungsgeladenen Rückkampf setzte sich der KSV-Ringer mit 4:2 durch. Anschließend wollte der Junioren-Weltmeister von 2016 Georgi Melia (98 kg/GR) das Ruder für Schifferstadt herum reisen, doch der Georgier ging gegen den erfahrenen Esten Ardo Arusaar übermotiviert zu Werke, zeitweise mussten Ordner die beiden Trainerecken vom Kampfrichtertisch abdrängen, die Aktionen und Wertungen anders sahen, als das Kampfrichtertrio. Die zweite Kampfrunde gehörte dann allerdings Arusaar, der die Nase mit 2:1 Punkten knapp vorn hatte und damit wichtigen Anteil am Gesamterfolg des KSV Ispringen hatte.
Im letzten Duell vor der Pause sorgte Levani Kavjaradze (66 kg/GR) mit einem 10:5-Punktsieg über Tonimir Sokol für die ersten Mannschaftspunkte auf dem Konto der Gastgeber. 2:6, so der Halbzeitstand nach 5- von 10 Duellen für die Gäste.

Als nach der Pause Yuri Belonovski (98 kg/FR) und Israil Kasumov (75 kg/FR) für Ispringen Siege nachlegten, schien der KSV endgültig auf der Siegerstraße. Doch Lasha Gobadze (85 kg/GR) ließ mit seinem Sieg über den Kroaten Neven Zugaj die Schifferstädter wieder hoffen und der emotionsgeladene georgische Vulkan Manukhar Tskhadaia (75 kg/GR) hatte den für Ispringen kämpfenden Igor Besleaga eigentlich schon auf beide Schultern gedrückt, doch das Kampfgericht sah es anders und ließ nach mehrminütigem Videobeweis beide Ringer weiter kämpfen, Tskhadaia holte damit nur einen Zähler für den VfK. Zu wenig, wie sich später herausstellen sollte, denn Patryk Dublinowski (85 kg/FR) siegte wie bereits erwähnt vorzeitig, seine vier Punkte brachten das 10:12- und damit den Ausgleich im Gesamtstand.
„Es war ein an Spannung kaum zu überbietendes Finale, wir hatten am Ende das Glück, mehr Einzelsiege auf dem Konto zu haben, doch Schifferstadt hätte den Sieg angesichts des knappen Ergebnisses genauso verdient gehabt“, hielt Ispringens Mäzen Werner Koch dennoch freudestrahlend den schweren Siegerpokal in den Händen. „Kaum etwas verlief wie geplant, der Kampf war von Emotionen geprägt, wir hatten am Ende das Glück auf unserer Seite“, so auch Ispringens Trainer Alexander Leipold.
VfK-Trainer Markus Scherer hatte die Enttäuschung über den knapp entgangenen Meistertitel schnell verdaut; „… die Halle war ausverkauft, alle haben einen spannenden Kampfabend erlebt und die Medien haben die Deutsche Ringerliga angenommen, wie man angesichts der vielen Kameras und Fotografen unschwer erkennen kann.”
Ein positives Fazit zog auch DRL-Geschäftsführer Markus Scheu: „… es war unser Premiere-Jahr in der Deutschen Ringer- Liga, trotz aller Drohungen und Sanktionen seitens des DRB und des Weltverbandes haben wir eine gute Meisterschaft mit vielen spannungsgeladenen Duellen absolviert, dass macht uns Mut, wir machen weiter und wir werden noch wachsen“ !

Der Olympiasieger von 1984, Pasquale Passarelli überreichte gemeinsam mit der Bürgermeisterin Schifferstadt’s Ilona Volk den Siegerpokal. „Es waren zu viele Emotionen im Kampf, was die Kampfrichter sichtlich verunsicherte, dennoch war es ein spannungsgeladenes Duell, das vielleicht noch stimmungsvoller geworden wäre, wenn der Pokal vor heimischer Kulisse an Schifferstadt gegangen wäre, aber das ist eben Sport“, so Passarelli.