Eines sei vorweg genommen; die Veranstalter in Italien taten alles, um es Mannschaften, Trainern, Funktionären, aber auch den Presseleuten so angenehm wie möglich zu machen.  Wofür die italienischen Organisatoren nichts konnten; Rom war in den Tagen der Ringer-EM schlichtweg ein Backofen. Auch einige Gewitter sorgten nur für etwas Abkühlung, die nicht lange anhielt und auch die Nacht sorgte nicht unbedingt für niedrigere Temperaturen.

Da war es fast eine Wohltat, wenn man die UFO-ähnliche, gekühlte Arena betrat, die nicht in Rom selbst, sondern in der 20 km entfernten Hafenstadt Ostia, direkt am Mittelmeer stand.

Die Organisation der Europameisterschaft lag in den Händen des Familienbetriebes um Lucio Caneva, der mit seiner Frau und den beiden Kindern Dalma und Aaron alle Drähte um Versorgung, Verpflegung und Umfeld der Titelkämpfe in den Händen hielt.

Einzig die Werbung außerhalb der Arena und in Rom selbst hielt sich trotz großer Erfolge, die die Italiener in letzter Zeit erkämpften, rein optisch in Grenzen. Dabei ist Ringen (ital. Lotta) in Italien sehr bekannt. Kommt man in ein Restaurant, oder reist in öffentlichen Verkehrsmitteln mit der Akkreditierung um den Hals, wird man garantiert angesprochen. Apropos öffentliche Verkehrsmittel – da hat Rom wohl vor sämtlichen europäischen Großstädten einen riesen Vorsprung. 1,50 € ein Ticket für 100 Minuten, 7 € für ein Tagesticket – damit kommt man in Berlin, oder Paris nicht allzu weit. Alles ist recht leicht zu finden wenn man die richtigen Farben auf dem Ticketautomat drückt, auch in verständlichem Deutsch.

Zurück zum Ringen, wo die Italiener gleich an der Arena ihr Leistungszentrum haben, mit allem, was das sportliche Herz begehrt. Hier wurde in den letzten Jahren einiges getan – und durch sportliche Leistung auch zurück gegeben. Zumindest die große, italienische Ringerfamilie feuerte ihre Lokalmatadoren lautstark an – und die Italiener können richtig laut werden…

Was die Gemüter der gesamten Ringerfamilie erregte, war, dass einige osteuropäische Verbände, vornehmlich die Russen mit dem Alter ihrer Athleten wohl etwas schummeln. Zumindest äußerlich sahen vor allem die russischen Schwergewichtler Agakhanov und noch viel mehr Sargsian (97 kg) aus, als hätten sie die 20 Jahre längst überschritten. Beim Halbfinale im Limit bis 97 kg (GR) zwischen Artur Sargsian (RUS) und Martin Savolainen (FIN) stand die komplette Halle vor allem durch den offensichtlichen Altersunterschied lautstark hinter dem Finnen. Sargsian bezwang im Finale auch den Österreicher Marcus Ragginger und wurde Europameister. Der Österreichische Verband wird sich an den Ringer-Weltverband UWW und weitere Institutionen wenden, um eine Kontrolle bei offensichtlichen Überschreiten der Altersgrenze im Kadetten- und Juniorenbereich einzuführen. „Es gibt ja schon Kontrollen, wobei das Los entscheidet, wer zum Dopingtest muss, doch wenn solche Verdachtsmomente wie bei Sargsian, Agakhanov und anderen Ringern auftreten, sollte man zielgerichtet über Blutentnahme das Alter feststellen“, so Anton Marchl, Vizepräsident Sport des ÖRSV.

Zurück zu erfreulichen Dingen; Rom – immer eine Reise wert, für Freunde historischer Stätten ein Eldorado, nur sollte man vorher den Wetterbericht konsultieren, denn ein Besuch im Kolosseum, oder im Vatikan in der brütenden Mittagshitze erwieß sich alles Andere als entspannend. Dennoch, die echten Geschichtsfans kamen auch schwitzend auf ihre Kosten.

Und wenn dann am späten Abend doch die Temperaturen leicht unter die 30 Grad-Marke fallen, bei einem Gläschen italienischen Weines in einer der vielen Kneipen auf- und an der Straße – das ist dann Italien pur.

Arrivederci Roma, aber schon im Juni 2019 ringen die Kadetten in Faenza ihre Europameister aus, dann heißt es wieder Ciao Italia !

Foto: Jörg Richter