Der österreichische Halbschwergewichtler Markus Ragginger (97 kg) hat bei den Europameisterschaften der Junioren durch den Gewinn der Silbermedaille Großes vollbracht. Damit hat sich der 19-jährige Griechisch-Römisch-Spezialist, der seit vier Jahren bei internationalen Meisterschaften vertreten ist, endgültig unter den Besten seiner Gewichtsklasse ‘festgebissen’.

Markus Ragginger startete gleich zum Beginn der Titelkämpfe und legte am zweiten Kampftag eine furiose Vorrunde hin, gleich in der Qualifikation musste er gegen den Lokalmatadoren Luca Svaicari antreten, der von den italienischen Zuschauern frenetisch angefeuert wurde. Doch der ÖRSV-Ringer ließ sich nicht beeindrucken und bezwang den Italiener mit 8:1-Punkten souverän. Enger wurde das Kampfergebnis gegen den Ungarn Robert Ersek, der 2015 in Subotica (SRB) genau wie Ragginger EM-Bronze gewann, der Magyare damals nur eine Kategorie höher, im Limit bis 100 kg. Mit einem 5:3-Punkterfolg zog Markus Ragginger ins Halbfinale ein, wo der ambitionierte Schweizer Damian von Euw wartete. Die Entscheidung gegen von Euw fiel schon in der ersten Runde des Kampfes, die Ragginger kurz vor dem Pausengong mit einer Aktion am Mattenrand mit insgesamt 3:0 für sich entschied.

Von Euw gelang im zweiten Kampfabschnitt nur noch der Anschluss zum 1:3, Ragginger damit im Finale und verwieß den Schweizer damit in die Begegnung um Bronze. Im Finale musste Markus Ragginger gegen Artur Sargsian (RUS) antreten, der Russe hatte auf Grund seines weitaus älteren Aussehens schon in den vorangegangenen Kämpfen die Gunst der Fans nicht unbedingt auf seiner Seite. Sargsian begann furios, ging gleich zum Beginn des Duells mit einem Wurf in Führung. Beim 0:6 stand Ragginger schon nach einer Minute Kampfzeit vor der vorzeitigen Niederlage, denn bei einer Differenz von acht Zählern wird der Kampf nach internationalen Regeln abgebrochen. Doch der Sportsoldat kämpfte sich zurück und setzte den Russen zunehmend unter Druck. Doch Kapital, in Form von Punkten, konnte Ragginger aus seinen beherzten Angriffen nicht schlagen. Der Russe wankte und entzog sich dem Kampf, doch eine Passivitätsverwarnung an den nun wirklich alt aussehenden Sargsian gab es durch das Kampfgericht nicht. Eine halbe Minute vor dem Schlussgong rutschte Ragginger am schweißnassen Arm des Russen ab, Sargsian ließ den ÖRSV-Kämpfer ins Leere laufen und bekam so die zwei Punkte zum vorzeitigen 8:0 zugesprochen.  Nur langsam wich der Ärger über diese Niederlage bei Markus Ragginger Freude über EM-Silber, wobei die Frage vieler Ringkampfanhänger und Trainer im Rund der Arena offen blieb, ob Artur Sargsian wirklich die Altersgrenze der Junioren einhält, oder – zumindest dem Aussehen nach, schon längst überschritten hat. Gewissheit hätte die Blutentnahme beim Dopingtest gebracht, doch das Los traf ausgerechnet Markus Ragginger, der mit völlig zerstochenen Ellenbeugen, kopfschüttelnd aus dem Dopingraum herauskam. „Sollte der Russe wirklich älter als angegeben sein, kann sich Markus als ‘moralischer Europameister’ fühlen, so der Vizepräsident Sport des ÖRSV Anton Marchl, der den Ringer-Weltverband UWW anregen will, Kontrollen für Altersgrenzen zu verschärfen. Doch ein Siegerküsschen der Freundin von Markus Ragginger, die neben Freunden, Mannschaftsgefährten und Familie in der Arena mitgefiebert hat, dürften den Gewinn von EM-Silber, samt den Strapazen vor- und nach dem EM-Turnier versüßt haben.

Einen ganz schweren Kontrahenten zog Bernhard Begle (77 kg) mit Egor Kadirov (RUS) aus dem Lostopf, gegen den er gleich im Auftaktduell mit 0:8 Punkten unterlag. Der Russe erreichte das Finale, wurde überlegen Europameister und so bekam Begle eine weitere Chance in der Hoffnungsrunde. Dort wartete mit Pere Kure ein starker Norweger, gegen den Begle ebenfalls auf verlorenem Posten stand. Für Schwergewichtler Stefan Huster (130 kg) heißt es, im schwersten Limit bei den Junioren Fuß zu fassen, wobei das Trainerteam um ÖRSV Sportdirektor Jörg Helmdach mit Daniel Gastl, Markus Ragginger und eben auch Stefan Huster in den schweren Gewichtsklassen des griechisch-römischen Kampfstils sehr gut aufgestellt ist. Allerdings traf Huster gleich auf den späteren Bronzemedaillengewinner Lenard Berei (ROU), gegen den er unterlag und ausschied.

Bei den Juniorinnen startete mit Florine Schedler (53 kg) die einzige ÖRSV-Ringerin, nachdem Sportdirektor Jörg Helmdach Kim Gmeiner im leichtesten Limit (50 kg) aus gesundheitlichen Gründen abmelden musste. Florine Schedler begann konzentriert, wurde Mitte der ersten Runde jedoch im Bodenkampf kalt erwischt und von Kremena Petrova (BUL) auf beide Schultern gedrückt. Eine Runde später unterlag auch die Ringerin aus Bulgarien, damit konnte Florine Schedler auch nicht mehr über die Hoffnungsrunde erneut ins Kampfgeschehen eingreifen.

Sehr schwer ist es vor allem für die Freistilringer in die Dominanz der Osteuropäer einzudringen. Riesen Pech hatte Simon Marchl (74 kg), der gegen Erik Reinbok (EST) eine starke, erste Runde absolvierte, bei der er überlegen wirkte und durch eine Passivitätsverwarnung zur Pause mit 1:0 führte. In Runde zwei gelang dem Esten ein Beinangriff, der einen Führungswechsel zum 2:1 für Reinbok zur Folge hatte. Wenig später startete Simon Marchl ein Konter auf einen weiteren Beinangriff, damit holte sich der ÖRSV-Starter die Führung mit 3:2 zurück. Der nächste Beinangriff des Esten ließ nicht lange auf sich warten, zudem brachte Reinbok gleich noch eine Beinschraube im Bodenkampf durch, erhöhte damit die Führung auf 6:3. Der Endspurt Marchl’s brachte nur noch den 4:6-Anschluss. Daumendrücken damit für Erik Reinbok, denn nur wenn der Este das Finale erreicht, kann Simon Marchl in der Hoffnungsrunde weiterkämpfen. Doch im Viertelfinale verlor Reinbok mit 5:5, bedingt durch die zuletzt vergebene Wertung. Der Este verfehlte das Finale, damit schied Simon Marchl auf Rang 13 aus.

Der zweite Starter des ÖRSV im freien Ringkampf war Benjamin Greil (79 kg), der seinen ersten Kampf gegen Christopher Bednarik (SVK) mit 8:1 Wertungspunkten gewann. Doch im Achtelfinale wartete mit Orkhan Abasov (AZE) einer der stärksten Ringer dieser Gewichtsklasse, gegen den Greil klar verlor. Abasov kämpfte sich bis ins Halbfinale, unterlag dort jedoch und verpasste das Finale. Damit war auch für Benjamin Greil das EM-Turnier beendet.

„Natürlich ragt aus meiner Sicht die Leistung von Markus Ragginger aus dem Gesamtergebnis heraus – die fünfte Medaille für ihn im Nachwuchsbereich war schon der Wahnsinn, obwohl er immer noch im Aufbau in diese Gewichtsklasse steckt“, so ÖRSV-Sportdirektor Jörg Helmdach. “Markus ging mit nur knapp 95 kg über die Waage, was natürlich körperlich noch Luft nach oben bedeutet, dieses Gewichts- und Kraftdefizit wird langfristig bis nächstes Jahr aufgearbeitet und dann will Markus die EM-Medaille vergolden”, so Helmdach weiter. „Die weiteren gezeigten Leistungen müssen insgesamt sehr differenziert betrachtet werden und geben Anlass die Nominierung zu den anstehenden Weltmeisterschaften der Junioren anzupassen, während die Leistungen im Freistilbereich im erwarteten Bereich lagen, offenbarten sich bei den weiteren Startern im griechisch-römischen Stil, als auch bei der weiblichen ÖRSV-Starterin in Rom große Defizite im technisch-taktischen Bereich, welche zunächst im Trainingsbetrieb aufgearbeitet werden müssen – das ist aber ein langfristiger Entwicklungsprozess und bis zur anstehenden WM in Trnava nicht zu realisieren“, gibt es aus Sicht von Jörg Helmdach noch reichlich ‘Baustellen’, die es zu beheben gilt. „Doch insgesamt ist der ÖRSV mit dem Abschneiden zufrieden, auch mit dem Wissen, dass einige Sportler/innen noch große Leistungsreserven in sich tragen“, gibt es für Helmdach und das Trainerteam noch viel Arbeit-, aber auch Hoffnungsträger, die mit der ‘Generation Tokyo 2020- und Paris 2024’ heranwachsen.

Die EM-Kämpfe wurden nicht direkt in Rom ausgetragen, sondern in der 20-km entfernten Hafenstadt Ostia, wo auch schon die Weltmeisterschaften 1990 stattfanden. Trotz hoher Außentemperaturen sorgten die italienischen Veranstalter um Organisationschef Lucio Caneva für einen reibungslosen Ablauf und ein angenehmes Umfeld.