Silber, Bronze und einen 5. Platz erzielten die DRB-Ringerinnen am 4. Tag der U-23-Europameisterschaft in Istanbul: Elena Brugger (55 kg/TuS Adelhausen) startete ihren Siegeszug im Viertelfinale mit einem technischen Überlegenheitserfolg über Jeannie Kessler (AUT). Im Halbfinale hatte die Südbadenerin einen heißen Kampf gegen Elif Yanik (TUR) zu überstehen. Beim Stand von 4:4 – mit Vorteil für die Türkin startete Elena Brugger Sekunden vor Kampfende noch einmal einen Beinangriff, mit dem sie quasi mit dem Schlussgong des Kampfes zwei Punkte zugesprochen bekam. Der von der türkischen Ecke geforderte Videobeweis zeigte, das die Wertung noch innerhalb der Kampfzeit erkämpft wurde, was noch einen zusätzlichen Punkt zum 7:4 Endstand brachte.

Nach neuem Ablaufreglement werden die Finalkämpfe am nächsten Tag ausgetragen, so stand Elena Brugger am Donnerstagabend Nina Menkenova (RUS) im Kampf um Gold gegenüber. In einem Kampf auf Augenhöhe unterlag Elena Brugger mit 0:5 Punkten, wobei die Entscheidung erst zum Ende der Begegnung fiel. Der Ärger über die Niederlage wich erst bei der Siegerehrung der Freude über Silber, denn schließlich gehört Elena Brugger zu den Jüngsten im Feld der U-23, kämpfte doch die Südbadenerin noch im Vorjahr in der Altersklasse der Juniorinnen.

Mit einem Überraschungsangriff begann Ellen Riesterer (50 kg/Freiburg-Haslach) den Kampf um Bronze gegen Agata Walerzak (POL) zur 2:0-Führung. Die junge Freiburgerin kämpfte konzentriert und erhöhte den Punktstand bis auf 8:0. Noch am Vortag gab es nach der hauchdünnen Halbfinal-Niederlage gegen Evin Demirhan Tränen. Kurz vor Ende der Begegnung gelang Ellen Riesterer die 4:2-Führung, die in der letzten Minute durch die Türkin zum 4:4 ausgeglichen wurde. Bedingt durch die Anzahl der höheren Wertungen hatte Evin Demirhan am Ende die Nase vorn und stand damit im Finale, während Ellen Riesterer um Bronze kämpfte – und letztendlich auch den Sprung auf das Siegerpodium schaffte.

Die eigentliche Sensation auf dem Weg zu Bronze schaffte Ellen Riesterer schon im Auftaktduell, wo ihr mit dem Schultersieg über die frischgebackene Bronzemedaillengewinnerin der Frauen-Europameisterschaft 2018 Milana Dadasheva (RUS) gelang, obwohl sie bereits aussichtslos mit 1:6 zurück lag. Im Bodenkampf gelang es Ellen Riesterer beide Arme der Russin einzuklemmen und Dadasheva auf beide Schultern zu befördern. Unbeschreiblicher Jubel im deutschen Lager, Bestürzung und Tränen bei der Favoritin aus Russland, Ellen Riesterer hatte sich mit diesem überraschenden Sieg überhaupt erst ins Halbfinale katapultiert.

Spannend ging es im Limit bis 76 kg zu wo im Viertelfinale mit Francy Rädelt und Anastasiia Shustova (UKR) die beiden Bronzemedaillengewinnerinnen der letztjährigen U-23-Weltmeisterschaft gegenüber standen. Beide Ringerinnen taten sich schwer, hatten Respekt voreinander. Erst am Ende des Kampfes zog Shustova bis auf 8:2 davon und sicherte sich am Abend mit einen schnellen Schultersieg über Catalina Axente (ROU) den Einzug ins Finale. Für Francy Rädelt bedeutete dies; Kampf um Bronze gegen eben diese Rumänin am Donnerstagabend.
Und auch dieser Kampf ging für Francy Rädelt verloren, denn Catalina Axente konterte geschickt die Beinangriffe der DRB-Ringerin, Francy Rädelt musste am Ende eine 6:11-Niederlage hinnehmen und beendete die Europameisterschaft damit auf dem 5. Platz.

Am Vormittag traten mit Annika Wendle (53 kg/ASV Altenheim) und Luzie Manzke (62 kg/RSV Hansa 90 Frankfurt/O.) die beiden letzten DRB-Starterinnen an. Dabei wurde über den Start von Luzie Manzke in Istanbul erst kurz vor dem Beginn der Titelkämpfe entschieden, denn die Frankfurterin hatte sich eine Risswunde über dem linken Knie zugezogen, die mit mehreren Stichen genäht werden musste.  Luzie Manzke biss sich trotz der Verletzung durch und bezwang die Türkin Derya Bayhan in der Qualifikation mit 8:0 Punkten. Im Viertelfinale kassierte die Ringerin vom RSV Hansa 90 Frankkfurt/O. eine Niederlage gegen Ilona Prokopevniuk, die sich mit einem weiteren Halbfinalsieg   ins Finale kämpfte. Damit steht Luzie Manzke am Freitagmorgen in der Hoffnungsrunde, wo sie gegen die Schwedin Therese Persson antreten wird. Im Falle eines Sieges könnte die Frankfurterin am Abend gegen Kriszta Incze (ROU) um Bronze kämpfen.

Ausgeschieden ist hingegen Annika Wendle (53 kg/ASV Altenheim), die ihren Auftaktkampf gegen Kseniia Nezgorova (RUS) mit 2:6 verlor. Die russische Ringerin unterlag im Halbfinale gegen Katsiaryna Pichkouskaya (BLR), damit konnte Annika Wendle auch nicht mehr über die Hoffnungsrunde erneut ins Kampfgeschehen eingreifen.

Während die letzten Gewichtsklassen der Damen am Freitag ihre Hoffnungsrunden und Finalkämpfe bestreiten, greifen auch die ersten Männer im freien Ringkampf ins EM-Geschehen ein. Dabei tritt Viktor Lyzen (57 kg/KSV Köllerbach) im Viertelfinale gegen Razvan Kovacz (ROU) an, während es Niklas Dorn (65 kg/KSC Hösbach) mit dem Ungarn Roman Asharin im Achtelfinale zu tun bekommt. Benjamin Opitz (79 kg/RV Thalheim) bestreitet sein Auftaktduell gegen Ali Khuzheiry (BLR) und auch Erik Thiele (97 kg/KAV Mansfelder Land) tritt gleich am ersten Kampftag der Freistilspezialisten an, der Halbschwergewichtler aus Sachsen-Anhalt muss in der Qualifikation gegen den Italiener Simone Iannatoni kämpfen.