Volles Programm bot der zweite Kampftag der Weltmeisterschaften der Ringer in Nur-Sultan (KAZ), die vier deutschen Starter waren an diesem Tag voll gefordert. So zitterten die vielen mitgereisten Fans aus Deutschland dem Auftritt von Frank Stäbler entgegen, der seinen ersten Sieg an der Waage feierte: Das „Projekt 67“ war vorerst gelungen.

Der Druck war unheimlich, nicht nur die deutschen Fans erwarteten viel vom dreifachen Weltmeister, auch die anderen Nationen blickten auf den Deutschen, der allein mit seinen zuletzt erkämpften Erfolgen so viel für den Ringkampfsport in der Außendarstellung ‘erkämpft’ hat – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch weit über die Ländergrenzen hinaus.

Der erste Kontrahent in der voll besetzten Kategorie bis 67 Kilo war der Usbeke Mirzobek Rakhmatov, den er in der Qualifikationsrunde mit 9:1, noch vor Ablauf der sechsminütigen Kampfzeit bezwang. Wenige Minuten später ging es für den Musberger erneut auf die Matte, diesmal stand er Morten Thoresen (NOR) gegenüber. Es wurde ein 6:2-Kampfsieg für Stäbler, der diesmal über die volle, sechsminütige Kampfzeit gehen musste. Dann das vorläufige Aus für Stäbler im Achtelfinale: Der Kubaner Ismael Borrero Molina, 2016 noch Olympiasieger im Limit bis 59 kg, ‚überrollte‘ Stäbler sprichwörtlich, 11:0 stand an der Anzeigetafel. Kopfschüttelnd nahm Stäbler diese Niederlage hin, die ihn zunächst aus dem Rennen um den Titel warf. „Wir haben lange und hart auf diesen Tag hingearbeitet, die Trainer haben dabei einen sehr guten Job gemacht“, will DRB-Sportdirektor die Entscheidung in das Limit bis 67 Kilo zu gehen, nicht an einer Niederlage festgemacht wissen.

Doch Borrero Molina kämpfte sich ins Finale und so kann Frank Stäbler am Montagmorgen über die Hoffnungsrunde erneut ins Kampfgeschehen eingreifen. Sein erster Gegner ist dort am Morgen erneut die Waage, maximal 67,0 Kilo dürfen es sein, um erneut starten zu können. Sein erster, wirklicher Gegner wird im ersten Hoffnungsrundenduell zwischen Hamed Mousa Tab (IRI) und Mihai Radu Mihut (ROU) ermittelt. Gewinnt Stäbler gegen den Sieger dieses Kampfes, kommt es in einem weiteren Hoffnungsrundenduell zur Neuauflage des WM-Finals von 2015 in Las Vegas (USA) gegen Han-Soo Ryu (KOR). Der Sieger dieses Kampfes darf dann gegen Mohamed Elsayed (EGY) um die Bronzemedaille kämpfen und hat darüber hinaus das Ticket nach Tokio 2020 erkämpft. Erneut eine schwere Aufgabe für Frank Stäbler in diesem starken Teilnehmerfeld.

Eine außergewöhnlich schwere Kategorie hat auch Denis Kudla erwischt, denn im Limit bis 87 Kilo tummeln sich ebenfalls Europa- und Weltmeister, sowie Olympia-Medaillengewinner vergangener Jahre, im Kampf um die begehrten Tickets zu den Olympischen Spielen nach Tokio 2020.
In seinem Auftaktduell traf Denis Kudla auf Tarek Abdelslam (BUL), den er mit 3:1-Wertungspunkten bezwang. Im Achtelfinale stand er dem erfahrenen Österreicher Amer Hrustanovic gegenüber. Auch dieses umkämpfte Duell ging mit 3:1-Punkten an den deutschen Olympiadritten von 2016 in Rio. Mit einer taktischen Meisterleistung gegen Ramin Taherisartang (IRI) kämpfte sich Denis Kudla nicht nur ins Halbfinale, sondern auch zu den Olympischen Spielen nach Tokio 2020. Beim 1:1 entschied am Ende die zuletzt vergebene Wertung zu Gunsten des Deutschen.
Im Halbfinale war dann gegen den Welt- und Europameister Zhan Beleniuk Endstation, der ukrainische Ausnahmeringer verwies Kudla nach einem knappen 2:1 ins kleine Finale um Bronze, das am Montagabend ausgetragen wird. „Denis hat ein starkes Turnier gerungen und sich das Olympiaticket mit viel Kampf verdient“, lobt Sportdirektor Jannis Zamanduridis den Athleten, aber auch den gesamten Trainerstab, um die Athleten herum.

Ausgeschieden ist hingegen Peter Oehler, der seinen Auftaktkampf gegen den Iraner Mohammadhadi Saravi mit 1:5-Punkten verlor. Dass der Iraner einer der stärksten Ringer dieser Gewichtsklasse ist, demonstrierte er in den Folgekämpfen. Saravi unterlag erst im Viertelfinale gegen den späteren Finalisten Artur Aleksanyan (ARM) und steht damit morgen in der Hoffnungsrunde.

Michael Widmayer (72 kg/SV Wacker Burghausen) hat am Sonntagmorgen seinen Hoffnungsrundenkampf gegen Hujun Zhang (CHN) mit 2:0-Punkten gewonnen und stand damit am zweiten Wettkampftag der Weltmeisterschaft im Kampf um Bronze. Sein Gegner war dort der Bulgare Aik Mnatskanyan, der zunächst wegen Beinarbeit mehrfach verwarnt wurde. Doch beim Stand von 3:1 für den deutschen Ringer, setzte der Bulgare 40 Sekunden vor Kampfende noch einmal alles auf eine Karte und glich mit einem blitzschnellen Angriff zum 3:3 aus. Mit dieser höheren und auch letzten Wertung ging der Sieg an Mnatskanyan, doch Michael Widmayer kann nach einmütiger Aussage von Bundestrainer Michael Carl und Sportdirektor Jannis Zamanduridis stolz auf seine Turnierleistung und am Ende Platz fünf sein, auch wenn er haarscharf an Bronze vorbeischlitterte.

Am Vortag hatte sich Widmayer gegen Ming Dian Ling (TPE) und dem Lokalmatadoren Demeu Zhadrayev (KAZ) mit Siegen ins Viertelfinale gekämpft. Dort lag der Deutsche Meister bereits mit 3:0 in Führung, als dem Usbeken Aram Vardanyan ein Wurf gelang, mit dem er die Begegnung auf den Kopf stellte. Vardanyan verteidigte den Vorsprung gegen den Ansturm des Deutschen und stand nach gewonnenem Halbfinalduell am Sonntagabend im Finale. Damit war der Weg für Michael Widmayer, über die Hoffnungsrunde neu ins Kampfgeschehen einzugreifen, frei.