Vier Medaillen holten die deutschen Ringer bei den Weltmeisterschaften 2017 in Paris (FRA), darunter einen Titel, den Frank Stäbler (TSV Musberg) gewann, zwei Silbermedaillen durch Aline Focken (KSV Krefeld) und Denis Kudla (VfK Schifferstadt), sowie eine Bronzemedaille, die Pascal Eisele (SV Fahrenbach) aus Paris mit nach Hause nahm. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio ragte vor allem Denis Kudla mit Bronze aus dem insgesamt sehr guten Auftreten der deutschen Ringer und Ringerinnen heraus. Eigentlich haben die Ringer hierzulande Grund zum Jubel, denn auch der Nachwuchs kämpft bei Internationalen Meisterschaften mit Erfolg um Titel und Medaillen.

Dennoch hat DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis Sorgenfalten auf der Stirn. „Die erste Frage bei übergeordneten Institutionen gilt nicht den Erfolgen, sondern dem andauernden Streit zwischen dem Deutschen Ringer-Bund und der Deutschen Ringerliga, die sich mit 5 Mannschaften aus dem Verband heraus löste und mittlerweile einen eigenen Mannschaftsmeister ermittelt. Aus Sicht des Sportdirektors spielt der Ligenbetrieb eigentlich keine große Rolle, die samstäglichen  Kämpfe dienen den DRB-Auswahlkadern als wettkampfnahes Training, nicht mehr, nicht weniger. „Gemessen wird der Deutsche Ringer-Bund an internationalen Erfolgen“, warnt der Sportdirektor bei den Treffen mit Vereinen und Mannschaftsvertretern vor fatalen Folgen, sollte sich der Streit ausweiten. „An Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften hängt das Überleben der gesamten Sportart ab, hier geht es um Trainerstellen und Fördermittel“. Im Umkehrschluss bedeutet das für die älteste Sportart in Deutschland: wird der Verband von DOSB und BMI abgestuft, wird es auch den Ligenbetrieb nicht mehr lange geben.

Vor allem im Hinblick auf die anstehende Strukturreform im Leistungssport hängen die internationalen Erfolge vom guten Umfeld ab, dass mit Sportfördergruppen der Bundeswehr und der Polizei, aber auch von privaten Initiativen geboten wird, fällt der Ringkampfsport aus der Förderung durch DOSB und BMI heraus, fehlt dieses Umfeld, ohne das internationale Spitzenleistungen kaum noch möglich sind, damit dürften auch die hauptamtlichen Stellen der Bundestrainer nicht mehr zur Verfügung stehen. Doch die Verantwortlichen der Deutschen Ringerliga streiten sich nicht nur mit dem Deutschen Ringer- Bund um Strukturen und eigenständige Vermarktung, sondern lehnen auch die Gebühren des Ringer- Weltverbandes United World Wrestling (UWW) ab, die – ob gerechtfertigt, oder nicht, für den Einsatz internationaler Spitzenringer erhoben werden. Kommt es da zu keiner Einigung,ist es möglich, dass der Ringer-Weltverband UWW die deutschen Ringer für alle internationalen Wettkämpfe sperrt, hatte der Deutsche Ringer- Bund dieses Szenario schon einmal 2003 durchlebt, als sich Alexander Leipold nach seiner Dopingsperre bis vor das oberste Sportgericht klagte um seine Unschuld zu beweisen. Auch da war monatelang kein deutscher Sportler für internationale Wettkämpfe zugelassen.

Vergessen scheint auch der Rutsch des Ringkampfsportes von der olympischen Bühne, als die Exekutive des IOC 2013 beschloss, die älteste Sportart der Welt aus dem Programm zu streichen. Auch in Deutschland haben damals viele Menschen diesen Schritt nicht verstanden und den Ringern mit Unterschriften und Demonstrationen geholfen, schon ein halbes Jahr später wieder zur olympischen Familie zu gehören – was bislang noch nie einer Sportart gelang. Zusammenhalt und Kampfgeist – Tugenden die dem Ringkampfsport eigen sind, sorgten für diesen Erfolg abseits der Ringermatte. Doch mit dem unseligen Streit dürfte der Ringkampfsport hierzulande viel Kredit verspielt haben, so dass die Sorgen des Sportdirektors, die er bei jeder Tagung-, sowie bei jeder Zusammenkunft mit den Vereinen wohl mehr als berechtigt darlegt. Verständlich jedoch auch der Standpunkt vieler Vereine, die mit dem Ligenbetrieb ihr gesamtes Vereinsleben finanzieren. Die Lösung kann nur heißen, schnell eine eingleisige, erste Bundesliga zu schaffen, unter der zwei bis drei Staffeln 2. Bundesliga strukturiert werden, die den riesigen Sprung von den Verbandsligen in die höchste, deutsche Kampfklasse abfedern soll, den viele Vereine derzeit personell und finanziell gar nicht meistern können.