Die Thor-Masters in Nyköbing wurden in den letzten Jahren immer mehr zu einem Anlaufpunkt internationaler Spitzenringer und auch für die deutschen Griechisch-Römisch-Spezialisten ist dieser hochkarätige, internationale Wettkampf zum internen Ausscheid für anstehende, internationale Meisterschaften geworden. So nominierte Bundestrainer Michael Carl unmittelbar nach den Thor Masters sein Team für die Europameisterschaften der Männer und Frauen in Bukarest (ROU).

Mit drei Gold- und fünf Silbermedaillen, sowie einmal Bronze gewann Deutschland die Länderwertung unter 19 Nationen, die ihre besten Kämpfer ebenfalls nach Dänemark entsendet hatten.
Die beiden leichten Gewichtsklassen waren fest in deutscher Hand. So blieb Fabian Schmitt (55 kg/SV Johannes Nürnberg) im leichtesten Limit in allen vier Begegnungen siegreich, erst im letzten Duell gab Schmitt gegen den Norweger Anders Rönningen beim 6:1-Sieg den ersten Kampfpunkt überhaupt ab, nachdem er die ersten drei Begegnungen ‚zu Null‘ gewonnen hatte. Eine äußerst überzeugende Leistung, mit der er sich das Ticket nach Bukarest sicherte.
Souverän auch die Leistung von Etienne Kinsinger (60 kg/KSV Köllerbach), der ebenfalls vier Kämpfe bestritt, unbezwungen blieb und dabei keinen, einzigen Wertungspunkt an seine Kontrahenten abgab.
Stark trumpfte auch Christopher Kraemer (TSV Westendorf) auf, der wie Kinsinger im Limit bis 60 kg antrat. Nach vier Vorrundensiegen des Ostallgäuers standen sich der Westendorfer und Etienne Kinsinger im Finale gegenüber. Kraemer unterlag klar, wurde damit Zweiter. Das DRB-Team feierte in diesem Limit einen deutschen Doppelerfolg.
Doch dieser Doppelsieg sollte nicht der Einzige für die deutschen Ringer bleiben, so kämpften sich auch Roland Schwarz (SV Wacker Burghausen) und Florian Neumaier (VfK Mühlenbach) im Limit bis 77 Kilogramm  bis ins Finale, wo sie sich nach jeweils einer Passivitätsverwarnung mit 1:1-Punkten trennten. Da Florian Neumaier die Verwarnung in Runde zwei und Roland Schwarz damit den zuletzt vergebenen Punkt erhielt, sicherte er sich nicht nur den Turniersieg, sondern auch das EM-Ticket nach Bukarest.
Auch Pascal Eisele (SV Fahrenbach) war in dieser mit 20 Ringern stark besetzten Kategorie vertreten, kam jedoch nach einem Sieg über Edgar Babayan (POL) und zwei Niederlagen, die er gegen Oldrich Varga (CZE) und Marcel Sterkenburg (NED) hinnehmen musste, nicht über Rang 12 hinaus.

Gleich drei Silbermedaillen gab es für die Schützlinge von Bundestrainer Michael Carl in den mittleren und oberen Gewichtsklassen. So kämpfte sich Hannes Wagner (82 kg/AC Lichtenfels) mit fünf Siegen ins Finale, wo er auf den Lokalmatador Rajbek Bisultanov (DEN) traf, gegen den er klar unterlag, jedoch nach insgesamt starker Turnierleistung die Silbermedaille gewann und sich damit ins EM-Team um Michael Carl kämpfte.
Silber gab es auch für Denis Kudla (87 kg/VfK Schifferstadt), der sich ebenfalls mit fünf Siegen durch seine schwere Vorrundengruppe kämpfte, dabei auch den Fünftplatzierten der Europameisterschaften von 2017, Iurii Shkriuba (UKR), mit 9:0 vorzeitig aus dem Rennen warf. Im Finale fehlte dann dem Olympiadritten von Rio 2016 gegen den Schweden Zakarias Berg beim knappen 2:3 die Kraft und vielleicht auch das letzte Quäntchen Glück.
Der Dritte im Bunde der silbernen, schweren Jungs war Eduard Popp (130 kg/VfL Neckargartach), der sich mit vier Siegen sprichwörtlich durch seine schwere Vorrundengruppe wühlte, dann im Finale jedoch am Ukrainer Mykola Kuchmii  mit 1:3-Punkten scheiterte.
Jello Krahmer (ASV Schorndorf) und der verletzungsbedingt etwas angeschlagene Christian John (Eisenhüttenstädter RC) traten ebenfalls im schwersten Limit an, beendeten die Thor Masters jedoch nach zwei Niederlagen auf den Rängen 9 und 10.

Ramsin Azizsir (97 kg/SV Wacker Burghausen) ist im Halbschwergewicht angekommen, scheiterte jedoch nach vier Vorrundensiegen am Europameister von 2017 Felix Baldauf (NOR) und im Kampf um Bronze an Tracy Hancock (USA) und belegte in der Endabrechnung den vierten Platz. Im gleichen Limit startete Ilja Klasner (ASV Schorndorf), der seinen Auftaktkampf gegen Leo Kesidis (GRE) gewann, dann jedoch zwei Duelle verlor und auf Rang 11 ausschied.

Spannend machte es Erik Weiß (67 kg/RSV Hansa 90 Frankfurt/O.), der seinen Auftaktkampf gegen Danielo Di Feola (Schweden) mit 4:3-Punkten gewann, dann aber gegen Ruslan Kudrynets (UKR / 2:2) und Otto Losonczi (HUN / 1:2) hauchdünne Niederlagen quittieren musste. Platz 12 für den Routinier aus Frankfurt(O.), der auf Grund starker kämpferischer Einstellung ebenfalls von Bundestrainer Michael Carl für die Europameisterschaft vorgesehen wurde.

Die einzige, deutsche Bronzemedaille wurde von Michael Widmaier (72 kg/TSV Ehningen) gewonnen, der nach zwei Auftaktsiegen vom Norweger Vegard Jörgensen gestoppt wurde. Im Kampf um Bronze setzte sich Widmaier gegen Dawid Karecinski (POL) mit 3:1-Punkten durch.

“Wir haben bei einigen Athleten erfreuliche Entwicklungen seit der letzten Weltmeisterschaft 2018 in Budapest (HUN) gesehen. Wichtig ist, dass wir in den nächsten Wochen einen weiteren Entwicklungsschritt vollziehen, damit wir bei den Europameisterschaften in Bukarest und vor allem bei den Weltmeisterschaften in Astana, die zugleich als erste Olympiaqualifikation für Tokio 2020 gilt, unsere Maximalleistung abrufen können”, sind sich DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis und Bundestrainer Michael Carl einig, die gleich nach den Thor Masters mit dem Trainerteam die Mannschaft für die Europameisterschaft vom 8.-14. April in Bukarest (ROU) nominierten:

55 kg Fabian Schmitt (SV Wacker Burghausen)
60 kg Etienne Kinsinger (KSV Köllerbach)
67 kg Erik Weiß (RSV Hansa 90 Frankfurt/O.)
72 kg Michael Widmayer (TSV Ehningen)
77 kg Roland Schwarz (SV Wacker Burghausen)
82 kg Hannes Wagner (AC Lichtenfels)
87 kg Denis Kudla (VfK Schifferstadt)
97 kg Ramsin Azizsir (SV Wacker Burghausen)
130 kg Eduard Popp (VfL Neckargartach).

Bild: Marion Stein
Autor: Jörg Richter