Nicht ganz in Erfüllung gingen die Träume der deutschen Ringerinnen am vierten Wettkampftag. Denn von den vier Ringerinnen, die im kleinen Finale um Bronze standen, schaffte nur Aline Rotter-Focken (76 kg/KSV Krefeld) den Sprung auf das Siegertreppchen.

Nach ihrem souveränen 10:0-Hoffnungsrundensieg über Kamila Kulwicka (POL) zog die deutsche WM-Dritte von Nur-Sultan 2019 ins kleine Finale ein, wo sie gegen die Französin Pauline Lecarpentier Punkt für Punkt zum vorzeitigen 10:0-Überlegenheitserfolg sammelte. Bronze damit für die derzeit stärkste deutsche Ringerin nach der WM 2019, nun auch bei der EM 2020. „Klar wollte Aline auf dem Treppchen etwas höher klettern, aber Yasemin Adar (TUR) und Ekaterina Bukina (RUS) müssen noch durch die Olympiaqualifikation und sind damit schon ein Stück weiter, während Aline das Ticket nach Tokio schon hat“, sieht Bundestrainer Patrick Loes seine Athletin auf einem guten Weg in Richtung Olympia 2020.

Schwer hatte es die noch junge Ellen Riesterer (55 kg/SV Freiburg-Haslach) gegen die international erfolgreiche Schwedin Sofia Mattsson. Mit dem Schlusspfiff holte die Siegerin der European Games von 2019 das 10:0 und damit die Bronzemedaille, während die deutsche Ringerin das EM-Turnier auf dem 5. Platz beendet.
Auf beiden Schultern fand sich Laura Mertens (59 kg/AC Ückerath) im kleinen Finale gegen Anhelina Lysak (UKR) wieder, die zu diesem Zeitpunkt auch schon mit 9:0-Punkten gegen die deutsche Ringerin führte.
Keinen guten Tag erwischte die deutsche WM-Dritte von 2019 Anna Schell (68 kg/SC Isaria Unterföhring), die nach starker Vorrunde am Vortag, gegen Danute Domikaityte (LIT) überhaupt nicht in den Kampf fand und gegen die Litauerin mit 0:9 unterlag.
„Ellen Rieserer hat sich gegen die favorisierte Schwedin über sechs Minuten gut gehalten, Laura Mertens hatte beim Kampf gegen die Ukrainerin etwas Pech, während Anna Schell nach guten Vorrundenbegegnungen heute nicht ihr eigentliches Können zeigte“, so die Analyse des Bundestrainers zu den drei Fünftplatzierten dieser Europameisterschaft.

Am fünften Kampftag haben die deutschen Ringerinnen jedoch schon eine weitere Medaille sicher, Maria Selmaier (72 kg/KSC Apolda) kämpfte sich in einem von Taktik geprägten Halbfinalduell gegen Catalina Axente (ROU) in den Endkampf um EM-Gold. Dort steht die Ringerin aus dem thüringischen Apolda am Freitagabend der amtierenden Weltmeisterin und Olympiazweiten von 2016 in Rio Natalia Vorobeva (RUS) gegenüber.

Nichts für die Nerven der Trainer und deutschen Zuschauer waren die Kämpfe von Annika Wendle (53 kg/ASV Altenheim), die ihre Kämpfe jeweils in den letzten Sekunden entschied. Ausgerechnet im Halbfinale klappte es nicht, die EM-Dritte von 2019 Jessica Blaszka (NED) verteidigte ihren knappen 2:1-Vorsprung gegen die DRB-Ringerin bis zum Schlussgong und tritt am Freitagabend im Finale an, Annika Wende kämpft davor gegen die Siegerin der Hoffnungsrunde um Bronze. In ihren Vorrundenkämpfen warf Annika Wendle ihre Kontrahentinnen Iulia Leorda (MDA) und Behchetowa Belberowa (BUL) jeweils im Schlussspurt aus dem Rennen.
„Maria Selmaier habe ich die Medaille, die sie nun schon sicher hat, gegönnt – es wird ihre Erste im Frauenbereich und auch Annika Wendle traue ich morgen noch Bronze zu“, so Loes weiter. Die deutschen Ringerinnen also weiter auf Medaillenkurs, auch wenn an diesem vierten Kampftag nicht alle Erwartungen erfüllt wurden.