Am Samstag beginnen die Weltmeisterschaften der Männer und Frauen in Budapest (HUN), die deutschen Ringer gehen vor allem im griechisch-römischen Stil mit großen Ambitionen in die Kämpfe. Ringsport-Magazin-Redakteur Jörg Richter sprach mit Bundestrainer Michael Carl über die Entwicklung und Tendenzen in dieser Stilart.

2013 feierte der DRB bei den Weltmeisterschaften in der ungarischen Hauptstadt schöne Erfolge, 2016 glänzte Denis Kudla mit der olympischen Bronzemedaille von Rio und 2017 waren es erneut die Griechisch-Römisch-Spezialisten, die in Paris gleich drei Medaillen holten, aber auch einige Anschlussleistungen zeigten, damit ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze unterstrichen. Wie siehst Du die weitere Entwicklung Deiner Athleten, wird Budapest ein ähnlich gutes Pflaster für den DRB wie Paris?

Michael Carl: Die Athleten, vor allem die jungen Athleten haben sich seit dem letzten Jahr kontinuierlich weiterentwickelt. Wir haben sehr viel an weiteren Variationen und Details gearbeitet. Dies ist auch wichtig, da auch die anderen Nationen nicht schlafen und ihre Hausaufgaben im Vorfeld dieser WM ebenfalls gemacht haben.

Ihr habt die Vorbereitungen zur WM mit einem Internationalen Trainingscamp in Heidelberg abgeschlossen, wie ist der aktuelle Leistungsstand deiner Athleten?

Michael Carl: Alle WM-Teilnehmer machten auf den letzten Lehrgängen einen guten Eindruck. Alle sind gesund, fühlen sich fit und die Stimmung innerhalb des Teams ist sehr gut.

Das Aushängeschild des DRB ist Frank Stäbler, der seit 2011 im Kreis der Topathleten mitmischt, Frank Stäbler will nach 2015 und 2017 das Triple, traust Du es ihm zu ?

Michael Carl: Ich traue es Frank an einem perfekten Tag zu. Zum Titel sind allerdings wie bei allen anderen Gewichtsklassen einige Faktoren vor Ort entscheidend und die Konkurrenz ist ebenfalls sehr groß. Mit Lokalmatador Balint Korpasi steht auch ein weiterer Weltmeister von 2016 als großer Favorit auf der Matte.

Auch Denis Kudla kämpft seit einigen Jahren beständig um internationale Medaillen, ist auch er in Budapest ein Anwärter auf eine Medaille ?

Michael Carl: Für Denis gilt dasselbe wie für Frank. Bei beiden Athleten ist an einem perfekten Tag alles möglich. Wichtig ist, dass beide mit einem optimalen Mix aus Gelassenheit und Fokussierung in den Wettkampftag gehen. Im Limit bis 87 kg ist die Konkurrenz ebenfalls enorm hoch. 8 – 10 Athleten sind hier favorisiert und werden in dieser Kategorie um die Medaillen kämpfen.

Du sagtest gerade, dass die Spitze in fast allen Gewichtsklassen breiter geworden ist, ist aus Deiner Sicht demnach die russische Vorherrschaft im griechisch-römischen Stil gebrochen?

Michael Carl: Russland wird immer eine führende Nation in diesem Sport sein und flächendeckend in vielen Gewichtsklassen um die Medaillen kämpfen. Allerdings hat auch diese Nation mittlerweile Schwierigkeiten einen Titel zu erkämpfen da wie gesagt die Spitze in vielen Bereichen breiter geworden ist. Das hat man vor allem bei der letztjährigen WM in Paris gesehen, von der Russland ohne Titel nach Hause gefahren ist.

Die Regeln wurden einmal mehr geändert, durch die angeordnete Bodenlage ist der griechisch-römische Bereich wieder attraktiver geworden, aber auch so hat sich vieles getan, die offensive Kampfweise nahm zuletzt zu, viele Techniken, viele Würfe begeisterten vor allem bei den Junioren und der U-23, wie siehst Du die Entwicklung im griechisch-römischen Stil?

Michael Carl: Ich sehe die Entwicklung im griechisch- römischen Stil sehr positiv. Unsere Philosophie der offensiven Kampfweise versuchen wir im Trainingsprozess seit Jahren umzusetzen. Den Gegner permanent unter Druck setzen, ihn zu Fehler zwingen und den Kampf dadurch zu dominieren und zu technischen Möglichkeiten zu kommen ist das A und O der aktuellen Ringkampfweise um auf internationalem Niveau konkurrenzfähig zu sein.

Live-Stream im Internet, Live-Übertragung auf Eurosport, der Weltverband UWW geht in die Offensive, auch aus Deutschland reisen sehr viele Fans nach Budapest, merkt man innerhalb des Auswahlteams die größere Reichweite des Ringkampfsportes, aber auch Rückhalt von den Fans?

Michael Carl: Auf jeden Fall. Vor allem durch unsere Erfolge der letzten Jahre spüren wir die erhöhte Aufmerksamkeit bei Fans, aber auch in der Öffentlichkeit. Darüber freuen wir uns sehr und spüren auch den Rückhalt der Fans vor Ort bei den Welt- und Europameisterschaften. Vor allem wenn wir an der Matte mitbekommen wieviel angereiste Fans uns vor Ort unterstützen und anfeuern.